AfD-Sprecher legt Arbeit im Josefshaus nieder

Interessanter Artikel der Aachener Nachrichten – Stadtausgabe

AfD-Sprecher legt Arbeit im Josefshaus nieder
Jan-Peter Trogrlic bringt die multikulturell ausgerichtete Jugendeinrichtung im Aachener Osten in die Bredouille. Im Alltag gilt er als hilfsbereit und freundlich, im Internet pöbelt er gegen Flüchtlinge, Journalisten und Andersdenkende.

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02.09.2016

AfD-Sprecher legt Arbeit im Josefshaus nieder

Jan-Peter Trogrlic bringt die multikulturell ausgerichtete Jugendeinrichtung im Aachener Osten in die Bredouille. Im Alltag gilt er als hilfsbereit und freundlich, im Internet pöbelt er gegen Flüchtlinge, Journalisten und Andersdenkende.

Von Gerald Eimer

Aachen. Der neue Sprecher der Aachener AfD, Jan-Peter Trogrlic, hat die Leitung der kirchlichen Jugendeinrichtung Offene Tür Josefshaus im Aachener Osten in Bedrängnis gebracht. Seit gut neun Jahren war Trogrlic für die multikulturelle und bekennend antirassistische OT am Kirberichshofer Weg als Honorarkraft tätig, gestern hat er seine Arbeit niedergelegt.

Ganz ohne Druck ist dies nicht geschehen. Die fremdenfeindlichen Aussagen von Vertretern der AfD seien schwer vereinbar mit dem, wofür die OT Josefshaus stehe, sagte deren Leiter Richard Okon nach Bekanntwerden von Trogrlic‘ neuer Funktion. Es sei daher fraglich, ob man die Arbeitsbeziehung mit Trogrlic, der in der OT als „Übungsleiter“ beschäftigt war, aufrechterhalten könne.

Die Trennung hätte Pfarrer Markus Frohn, Leiter der Gemeinde St. Josef und Fronleichnam und damit auch Verantwortlicher für das Josefshaus, vollziehen müssen, der gleich nach seinem Urlaub am Montag das Gespräch mit Trogrlic suchen wollte. Doch die Entscheidung ist nun schon gefallen. „Ich wollte Schaden von der OT abwenden“, begründet Trogrlic seinen Schritt.

Dass Trogrlic Mitglied der AfD ist, war Frohn seit gut einem halben Jahr bekannt. Schon damals habe er Trogrlic gefragt, wie dieser seine Tätigkeit im Josefshaus mit der politischen Haltung der AfD vereinbaren könne. Eine echte Störung habe es im Arbeitsverhältnis jedoch nicht gegeben. Frohn habe klargestellt, dass er keine politischen Parolen im Josefshaus hören wolle. Und daran habe sich
Trogrlic gehalten.

OT-Leiter Okon betont, dass Trogrlic nicht im pädagogischen Bereich tätig war. Überwiegend Werkstatt- und Hausmeistertätigkeiten habe er erledigt, unter anderem war er auch fürs Bühnenbild des „Chaostheaters“ zuständig, dessen Aufführungen ebenfalls für ein friedliches Miteinander unterschiedlichster Kulturen stehen.

Man habe gewusst, dass er „ein Rechter“ war, aber Trogrlic sei stets auch hilfsbereit gewesen und habe niemanden wegen seiner Herkunft benachteiligt. Als Sprecher der AfD habe er nun jedoch eine andere Funktion, was die weitere Zusammenarbeit in einem Haus mit überwiegend jugendlichen Migranten erschwert hätte.

Und in der Tat scheint Trogrlic über Jahre hinweg eine andere Seite seines Charakters nach außen hin gut verborgen zu haben. Denn Zeitungsredaktionen ist er auch als aggressiver Kommentator bekannt, der vor allem die Anonymität des Internets genutzt hat, um gegen Ausländer und Journalisten zu pöbeln. Gerne postete er dann auch Erbrochenes oder Kothaufen, um seine üblen Tiraden gegen Andersdenkende bildlich zu unterstreichen. Er hetzte gegen „Jungneger“, nannte unbegleitete Flüchtlinge „Lumpen“ und beschimpfte Redakteure als „Arschlöcher“ und „Büttel“ der „Lügenpisse“.

„Der Hitzkopf in mir“

Man müsse auch mal seine Wut herauslassen können, verteidigt er sich heute. Und wenn man den ganzen Tag über eine „Verrohung der Sprache“ höre, färbe das auch mal ab. Außerdem habe er gezielt provozieren wollen, um Aufmerksamkeit zu finden. „Das ist der Hitzkopf in mir, da schlägt das Südländische durch“, sagt der 62-Jährige, der seine Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien hat. Seine Beschimpfungen gegen Ausländer und vor allem auch gegen Muslime richteten sich zudem nur gegen Straffällige, „bei denen die Integration misslungen ist“. Er selber hingegen wolle „Wege für eine Integration eröffnen“.

An der OT Josefshaus wird ihm dies nun nicht mehr möglich sein. Seine überwiegend ehrenamtlich verrichtete Tätigkeit, die mit einem dreistelligen monatlichen Betrag vergütet wurde, hat er gestern selbst gekündigt. Okon hat es mit Erleichterung aufgenommen, da er Sorgen um den Ruf der engagierten Einrichtung hatte.

AfD Aachen klagt gegen Ex-Vorsitzenden

Der Kreisverband AfD Aachen klagt gegen seinen früheren Vorsitzenden Ingo Schumacher. Zu den Hintergründen will oder kann der neue Vorsitzende Peter Trogrlic nichts sagen, auch andere Verantwortliche wollen sich nicht äußern. Schumacher wird nach „Nachrichten“-Informationen vorgeworfen, auf die Bar-Kasse der Partei Zugriff genommen zu haben. So sollen Belege für die Verwendung einer vierstelligen Summe fehlen. Das Geld will die Partei einklagen. (gei)

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