Aus der Giftküche / Henryk M. Broder und die Jagd auf Hilde Scheidt

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Do, 16. Feb. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Blickpunkt / Seite 2

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Aus der Giftküche

Henryk M. Broder und die Jagd auf Hilde Scheidt

Gerald Eimer

In der Auseinandersetzung mit dem Publizisten Henryk M. Broder hat die Aachener Bürgermeisterin Hilde Scheidt eine Grundregel nicht beachtet: Sie hat sich seiner Weltsicht nicht unterworfen. Broder und seine Jünger mögen Menschen nicht, die ihn womöglich einen Hetzer und einen Brunnenvergifter nennen, die ihn im rechtspopulistischen Lager verorten und ihn für einen zynischen Provokateur halten. Sie ist nicht die erste, die fortan mit dem Vorwurf leben muss, eine Antisemitin zu sein.

Wer Scheidt kennt, weiß wie idiotisch die Behauptung ist. Doch der Rufmord gehört längst zum täglichen Geschäft in einer grenzenlos offenen Internet-Gesellschaft, in der sich neben durchgeknallten Sektierern aller Art eben auch Broder und viele kleine Möchtegern-Broders austoben und gegenseitig hochschaukeln. Da werden Gerüchte gestreut und Tatsachen verdreht, da wird angeschwärzt, gepöbelt, denunziert. Im Web tobt eben auch der Mob. Damit wird man sich abfinden müssen.

Scharfmacher im Netz

Und solange all die Randgestalten, missionarischen Eiferer und Scharfmacher im Netz unter sich bleiben, ist es ja auch auszuhalten. Schwer erträglich wird es allerdings, wenn das üble Gemisch aus Verleumdungen und Halbwahrheiten Eingang in einen Beitrag für die „Jerusalem Post“ – also ein etabliertes Medium – findet. Der Bericht aus der journalistischen Giftküche, augenscheinlich lanciert aus Broders Umfeld, hat umgehend seinen Weg zurück nach Deutschland gefunden, um die Kampagne gegen Aachens grüne Bürgermeisterin weiter zu befeuern. Und fröhlich dabei: Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Aachen, die unter dem Vorsitz von Axel Holst alle Hemmungen ablegt und auf das abtrünnige Mitglied Scheidt munter miteinprügelt. Was kümmern noch die Grenzen zwischen zulässiger Meinungsfreiheit und übelster Schmähkritik, wenn doch in den Internet-Blogs der „Achse des Guten“ und von „Politically Incorrect“ ohnehin sch on alle Dämme gebrochen sind?!

Wer so agiert, ist nicht seriös. Und die Frage bleibt, warum sich die DIG Aachen an einer bekennenden Israelfreundin abarbeitet, statt sich gegen die wahren Antisemiten und Feinde des Landes zu wenden. Alles auf Geheiß eines beleidigten Broders?

g.eimer@zeitungsverlag-aachen.de

„Ich werden ihnen keine Zeit zum Aufatmen lassen.“

Nicolas Sarkozy, französischer Präsident

7 Gedanken zu „Aus der Giftküche / Henryk M. Broder und die Jagd auf Hilde Scheidt

  1. Genau so liest es sich, wenn man auf keines der Argumente eingeht, die gegen Scheidt gebracht werden. Und genau so liest es sich, wenn das antisemitische Klischee vom Juden, der die öffentliche Meinung bestimmt, kolportiert wird.
    Unlauterkeit ist, wenn man Positionen und Argumente der anderen Seite durch Taschenspielertricks unsichtbar werden lassen will; Unlauterkeit ist, wenn man trotz inzwischen international heulender Warnsirenen immer noch so tut, als sei inhaltlich alles in Ordnung, wenn bloß der freche Jude Broder endlich mal sein Maul undsoweiter – aber genau so ist es eben nicht. Broder hat Recht, und zwar nicht deswegen, weil er Jude ist, sondern weil Scheidt antisemitisch ist. Das ist, lesen Sie mal ein Buch vom Benz, bevor auch der kirre wurde, lupenreiner „struktureller Antisemitismus“, den die Scheidt da bedient und äußert.
    Hat die KAL schon applaudiert?

  2. Ich weiß nicht, ob sie eine Antisemitin ist… Meint ihr nicht, sie hätte genau das gleiche gesagt, wenn er kein Jude wäre? Ich glaube schon.

  3. Sie ist wahrscheinlich keine Antisemitin. Doch ihr Demokratieverständnis ist auch so sehr dürftig. Das sollte eher kritisiert werden. Nur wo fängt man an bei den Gerald Eimers (AN) und Peter Papperts (AZ) dieser Welt? Frau Scheidt ist mit ihrer Gesinnung in Aachen einfach der Durchschnitt. Gegen den Durchschnitt kann man mit Aufklärung vielleicht in 40 Jahren etwas erreichen. Denn man wird mindestens so lange brauchen, wie ihre Ideologie brauchte, um hochzukommen.

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