Israel geht gegen jüdische Radikale vor

Mo, 10. Aug. 2015
Aachener Nachrichten – Stadt / AN Politik / Seite 4

Israel geht gegen jüdische Radikale vor

Zweites palästinensisches Todesopfer nach Brandanschlag vor zehn Tagen

Jerusalem. Nach dem Tod eines zweiten palästinensischen Terror-Opfers geht Israel verstärkt gegen radikale Ultra-Nationalisten vor. Verteidigungsminister Mosche Jaalon ordnete gestern die sogenannte Administrativhaft für zwei jüdische Extremisten an: Unter anderem soll Meir Ettinger, der Enkel des rechtsradikalen Rabbiners Meir Kahane, für sechs Monate ins Gefängnis. In Israel können Terror-verdächtige auch ohne Anklage inhaftiert werden. Auslöser für die Festnahmen war ein Brandanschlag auf eine palästinensische Familie, den mutmaßlich radikale Siedler verübt hatten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versicherte, Israel tue alles Mögliche, um die Täter zu fassen.

Am 31. Juli hatten mindestens zwei Maskierte im Ort Duma zwischen Nablus und Ramallah im Westjordanland Brandflaschen in zwei palästinensische Häuser geworfen. Der 18 Monate alte Ali wurde dabei so schwer verletzt, dass er kurz darauf starb. Der Vater, die Mutter und der vierjährige Bruder des Kleinkindes wurden zur Behandlung in israelische Kliniken gebracht. Am Samstag erlag auch der Vater seinen schweren Verletzungen. Da am Tatort hebräische Graffiti gefunden wurden, gehen israelische Sicherheitsbehörden von einem terroristischen Hintergrund aus. Verdächtigt werden radikale Siedler.

„Als ich die Familie vergangene Woche im Krankenhaus besucht habe, habe ich versprochen, dass wir alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen werden, um die Mörder zu fassen“, sagte der israelische Regierungschef Netanjahu. „Und das tun wir.“ Der Anschlag hatte in Israel eine Debatte über Gewalttaten militanter Siedler ausgelöst. Seitdem wurden mehrere Radikale in Gewahrsam genommen. Die israelische Polizei hat zudem Außenposten von Siedlern im Westjordanland durchsucht und „einige Verdächtige“ festgenommen. (dpa)

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