Bürgermeisterin verfolgt Kurs der DIG Aachen „mit großer Sorge“

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Sa, 28. Jan. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokales / Seite 15

Bürgermeisterin verfolgt Kurs der DIG Aachen „mit großer Sorge“

Hilde Scheidt bangt um die moderaten Stimmen. Vorsitzender widerspricht.

VON GERALD EIMER

Aachen. Der Bruch zwischen Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne) und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Aachen unter Vorsitz von Axel H.A. Holst war nicht mehr zu kitten. Eine in dieser Woche angesetzte Aussprache hat Scheidt in dem Eindruck bestärkt, dass die Aachener DIG auf einem „gefährlichen Weg“ ist. „Ich sehe das sehr kritisch und mit großer Sorge“, sagt sie.

So fürchtet sie, dass zunehmend Scharfmacher und Provokateure den Ton in der DIG angeben, nachdenkliche und versöhnliche Stimmen aber an den Rand gedrängt werden. Der Eindruck hat sich nicht zuletzt nach der Verleihung des DIG-Ehrenpreises an den umstrittenen Publizisten Henryk M. Broder verstärkt, der mit seinen wortgewaltigen Pöbeleien gegen den Islam und das „alternative friedensbewegte rote Pack“ in der Aachener DIG auf viel Sympathie stößt.

Dies zeigte sich in der Folge auch in Berichten im Internetportal „Politically Incorrect“ (PI), die augenscheinlich aus dem Umfeld der DIG stammten. PI ist ein Tummelplatz für Islamfeinde und Volksverhetzer aller Art, in dem blindwütige Hasstiraden gegen Muslime und alle, die nicht ins Weltbild passen, abgesondert werden können

Eine „wie auch immer geduldete Zusammenarbeit mit PI“ dürfe es nicht geben, sagt Scheidt, die sich auch gegen die Ehrung Broders ausgesprochen hatte: „Er spaltet und bringt Streit, davon lebt er“, sagt sie. Wenn aber nur noch gehetzt und gepöbelt werde, sei dies „der Anfang vom Ende des Zusammenlebens einer Gesellschaft“.

Der DIG-Vorsitzende Holst spricht hingegen von „einigen Missverständnissen wegen Broder“. Wie Broder beziehe auch die Aachener DIG klar Position gegen Antisemitismus und Rassismus, zudem stehe man eindeutig an der Seite Israels. Islamfeindlichkeit aber werde man nicht dulden, sagt Holst. „Es gibt keine Rechtslastigkeit bei uns“, behauptet er. Er bestätigt jedoch auch, dass er zumindest von einem PI-Blogger in den eigenen Reihen weiß. „Es laufen Gespräche, er wird sich weitgehend zurückhalten“, sagt Holst. Ausschließen wolle man den Mann aber nicht.

Damit unterscheidet sich die DIG Aachen deutlich vom Bundesverband der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. „Wir gehen klar auf Distanz zu fundamentalistischen Kreisen und ganz bestimmt zu Politically Incorrect“, betont deren Geschäftsführerin Hildegard Radhauer in Berlin. Den aktuellen Konflikt in Aachen will sie hingegen nicht kommentieren – was gute Tradition hat: Die Aachener mit Holst an der Spitze und der Bundesverband liegen seit Jahrzehnten über Kreuz.

Zurückzuführen ist das auf einen Streit um die Beiträge, aber auch um die politische Ausrichtung. Für Holst steht der Bundesverband nicht klar genug zu Israel, der Bundesverband sieht sich hingegen deutlich pluraler und demokratischer aufgestellt und hält auch Kritik an der israelischen Regierungspolitik für akzeptabel.

Bundesverband steht offen

Den Kurs der DIG Aachen müssten die Mitglieder vor Ort bestimmen, sagt Radhauer. „Wir wollen uns da nicht mehr reinhängen.“ Wer sich jedoch nicht mehr gut aufgehoben fühle, werde vom Bundesverband mit offenen Armen aufgenommen, sagt sie. In der Vergangenheit hat es immer wieder Übertritte gegeben. Und auch nach der Broder-Preisverleihung scheint es Wechsel zu geben. Neben Scheidt sind Holsts Angaben zufolge drei weitere Mitglieder ausgetreten, zugleich habe es aber auch fünf Neuanmeldungen gegeben. Laut Holst hat die DIG Aachen aktuell rund 210 Mitglieder.

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