Der Drache will kein Papiertiger sein / Die Spannungen in Chinas neuer Luftraumzone nehmen zu

Sa, 30. Nov. 2013
Aachener Nachrichten – Stadt / AN Politik / Seite 4

Der Drache will kein Papiertiger sein

Die Spannungen in Chinas neuer Luftraumzone nehmen zu. Kampfjets auf Patrouillenflug. US-Kriegsschiffe kreuzen vor Okinawa.

Von Andreas Landwehr

Peking. China geht auf Konfrontationskurs gegen Japan. Nach der Errichtung der Luftraumüberwachungszone im Ostchinesischen Meer hatte Chinas Militär zunächst zurückhaltend agiert. Flugzeuge der USA, Südkoreas und Japans flogen durch die Zone, als wenn nichts gewesen wäre. Doch jetzt wird der Ruf immer lauter, der chinesische Drache dürfe nicht als „Papiertiger“ erscheinen. Prompt verschärft Peking den Ton gegen Japan, weckt das Gespenst eines Kalten Krieges oder gar einer offenen Konfrontation in Ostasien.

„Der Auftakt war nicht gut für China, weil der Eindruck entstand, dass China ein Papiertiger ist, nachdem keine entsprechenden Gegenmaßnahmen ergriffen worden waren“, sagt Professor Cheng Xiaohe von der Volksuniversität in Peking. „Jetzt arbeitet Peking daran, schickt Kampfjets auf Pa­trouille. Es ist eine Demonstration der Souveränität.“ Der Experte für internationale Beziehungen ist überzeugt, dass China von sich aus keinen militärischen Konflikt wolle, ihm aber auch nicht ausweichen werde.

„Als China die Entscheidung über die Zone traf, war allen klar, was passieren würde, wenn der Streit eskaliert“, erklärt Cheng. „Wenn es andere Parteien auf eine Eskalation anlegen, wird China keine Angst haben und bis zum Ende kämpfen.“ Wo die „rote Linie“ ist, vermochte der Professor nicht zu sagen. Aber der Kern des Konflikts ist aus seiner Sicht eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer, um die China und Japan schon seit langer Zeit streiten (siehe Grafik unten links).

Der Konflikt ist im vergangenen Jahr neu ausgebrochen, als Tokio drei der Inseln gekauft und gegen den erklärten Widerstand Pekings nationalisiert hatte. Die japanische Argumentation, dass damit vermieden werden sollte, dass rechte nationalistische Kräfte sie erwerben, hat Peking nie überzeugt und wurde misstrauisch eher als Trick gewertet. Der Schaden war angerichtet. Auch riss der rechtskonservative Kurs des neuen Ministerpräsidenten Shinzo Abe alte Wunden der düsteren Kriegsvergangenheit Japans in China auf.

Hinter dem Streit sieht der amerikanische China-Experte Gordon Chang noch andere Gründe: „Wegen innenpolitischer Probleme fallen Chinas Führer in den Nationalismus zurück, um ihre Legitimität zu stärken. Aus ihrer Sicht gibt es kein besseres Ziel als die Japaner.“ So schoss sich die populistische Zeitung „Global Times“, die vom Parteiorgan „Volkszeitung“ herausgegeben wird, auf Japan ein und forderte energische Gegenmaßnahmen, sollten japanische Flugzeuge die neue Luftraumüberwachungszone missachten. Dann sollten auch Chinas Flugzeuge die entsprechende japanische Zone verletzen, forderte das Blatt und beschwor sogar das Szenario eines neuen Kalten Krieges. Chinas Luftwaffe müsse sich für potenzielle Zusammenstöße rüsten. „Wir sind bereit, uns auf eine langanhaltende Konfrontation mit Japan einzulassen“, so das Blatt.

Das Kampfgetrommel erinnert an ein altes chinesisches Sprichwort: „Wer den Tiger reitet, kann schlecht absteigen.“ Kein Zweifel: Mit den militärischen Muskelspielen aller Seiten wächst die Gefahr eines versehentlichen Zwischenfalls. „Die gegenwärtige Situation in dem Seegebiet birgt ein großes Risiko, dass es Missverständnisse oder Pannen gibt“, warnte die China-Expertin Stephanie Kleine-Ahlbrandt vom US-Institute for Peace in Washington.

Die USA demonstrieren unterdessen weiter militärische Stärke. Ein Verband der 7. US-Flotte führt derzeit zusammen mit japanischen Streitkräften Manöver vor der japanischen Insel Okinawa durch.(dpa)

„Wir sind bereit, uns auf eine langanhaltende Konfrontation mit Japan einzulassen.“

die chinesische Zeitung „Global Times“

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