Ein Jahr nach dem „Abziehen“: Anklage gegen die Räuber

Do, 13. Nov. 2014
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokaltitel Aachen / Seite 17

Ein Jahr nach dem „Abziehen“: Anklage gegen die Räuber

Zwei Jugendliche bedrohten Kinder und wollten Handys und Bargeld stehlen. Helfer ebenfalls angegangen. Beschwerdebrief.

Von Heiner Hautermans

Aachen. Ein Jahr ist vergangen, seitdem ein Ehepaar vor dem Elisenbrunnen eine brenzlige Situation erkannte und zwei jungen Leuten, die auf der Treppe vor der Sparkasse saßen, beisprang. Die Erwachsenen stellten am 8. November 2013, einem Freitag, gegen 21.15 Uhr fest, dass die beiden von etwas älteren Jugendlichen abgezogen werden sollten. Diese bedrohten die Opfer und forderten sie zur Herausgabe von Handys und Bargeld auf. Der Bankkaufmann und seine Frau mischten sich ein und wurden nun ihrerseits von den verhinderten Räubern bedroht und nach ihren Angaben auch mit einer Flasche Bier beworfen: „Sie suchten erkennbar Streit, und wir wurden beleidigt und beschimpft“, schildert Daniela Derißen die Situation.

„Guten Job gemacht“

Die beiden Täter flüchteten zunächst, worauf das Ehepaar sich selbst auf die Suche nach ihnen machte und die beiden in der Nähe des Bushofs wiederentdeckte, wo es von den Jungganoven noch einmal angepöbelt wurde. „Es darf nicht sein, dass man Freitagsabends nicht mehr unbehelligt in Aachen eine belebte Straße langgehen kann“, so begründeten sie damals ihr Einschreiten, man dürfe nicht wegsehen. Und sie waren froh, dass die Polizei rasch zur Stelle war. Auf der Verfolgungsjagd hatten nämlich der damals 47-Jährige und seine Frau Passanten vergeblich gebeten, die Ordnungshüter herbeizurufen. Daniela Derißen: „Die Polizei hat einen guten Job gemacht. Die waren sehr schnell.“ Die Polizei ihrerseits gab das Kompliment im November letzten Jahres zurück und lobte die Eheleute ob ihres mutigen Vorgehens und ihrer Zivilcourage. Sprecher Paul Kemen: „Das Ehepaar hat sich absolut vorbildlich verhalten.“

Weniger gut fällt die Beurteilung der Behörde durch das Ehepaar ein Jahr danach aus. Daniela Derißen, die Ende November letzten Jahres als Zeugin vernommen worden war, wollte nämlich wissen, was aus dem Fall geworden ist, im Hinterkopf die Ansage der Strafverfolger, gerade derartige Delikte besonders schnell zu ahnden – auch angesichts der Serie von rund 50 gewalttätigen Überfällen ab Ende August dieses Jahres.

Doch eine telefonische Anfrage im Sommer im Polizeipräsidium nach dem Stand des Verfahrens verlief unerquicklich: „Ich wurde recht unwillig an der Telefonzentrale abgewiesen, ich sollte mich an die Staatsanwaltschaft wenden.“ Dort habe sie ebenfalls nachgefragt, ebenfalls keine Auskunft, aber zumindest ein Aktenzeichen erhalten: „Eine angekündigte schriftliche Mitteilung habe ich bis heute nicht erhalten“, schreibt Daniela Derißen in einem Brief an die Polizei und die Staatsanwaltschaft mit Durchschlag an den Oberbürgermeister und die „Nachrichten“. Es dürfe nicht sein, dass die Bürger Zivilcourage zeigen und am Ende nichts passiere.

So sei es auch nicht, erklärt Staatsanwalt Jost Schützeberg auf Anfrage: „Wir haben zwei Personen wegen versuchten Raubes, Beleidigung und Nötigung angeklagt.“ Es handele sich um einen 16-Jährigen aus Aachen und seinen 17-jährigen Komplizen aus Herzogenrath, die sich damals vor den beiden Kindern, die bis heute unbekannt seien, aufgebaut, ihnen den Weg versperrt und sie bedroht hätten. Die Anklage sei bei Gericht eingereicht, dass nun prüfen müsse, ob sie zugelassen werde. Dann könne ein Termin bestimmt werden, so dass in einigen Monaten die Hauptverhandlung stattfinden könne.

„Wir nehmen das ernst“

Bei der Polizei kann man gegenwärtig nur bestätigen, dass der Brief eingegangen ist und an die Beschwerdestelle weitergeleitet wurde. Ob etwas schiefgelaufen sei, könne man aber noch nicht sagen, die Angelegenheit werde jetzt untersucht, und das nehme halt einige Zeit in Anspruch, sagt Sprecherin Sandra Schmitz: „Wir nehmen das ernst. Wir prüfen das und werden uns mit der Frau in Verbindung setzen.“

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