„Einbrüche völlig risikolos“

Di, 13. Okt. 2015
Aachener Nachrichten – Stadt / Titel Aachen / Seite 1

Täter schlagen in NRW 150 Mal am Tag zu. Nur 1,76 Prozent werden verurteilt.

Von Marlon Gego

Aachen/Düsseldorf. Das NRW-Innenministerium gab gestern bekannt, dass Tag für Tag 150 Mal in NRW eingebrochen wird, doch das ist eigentlich nicht die schlimmste Nachricht. Aus einem internen Bericht des Landeskriminalamtes (LKA) in Düsseldorf, der unserer Zeitung vorliegt, geht hervor, dass nicht einmal zwei von 100 Einbrechern verurteilt werden. Der Bericht verfestigt den Eindruck, dass die Bürger vor organisierten Einbrecherbanden weitestgehend ungeschützt sind.

Seit 2007 ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in NRW um 47 Prozent gestiegen, eine Entspannung der Situation ist nicht in Sicht. Gregor Golland (CDU), Landtagsabgeordneter aus Brühl und Innenexperte seiner Fraktion, sagte gegenüber unserer Zeitung, dass die Einbruchszahlen weiter steigen werden, „weil die Täter wissen, dass Einbrüche in NRW völlig risikolos sind“.

In der Tat werden nur 1,76 Prozent aller Einbrecher von einem Gericht verurteilt, ein Prozent der Einbrecher muss ins Gefängnis. Die restlichen 0,76 Prozent erhalten Bewährungsstrafen. Diese bestürzenden Zahlen gehen aus dem LKA-Bericht hervor und haben zwei Ursachen. Erstens: Die Aufklärungsquote von Einbruchsdiebstählen liegt in manchen Landkreisen bei weniger als zehn Prozent. Zweitens: Die Staatsanwaltschaften stellen fast 80 Prozent der ohnehin wenigen Verfahren wieder ein, die sie von den Polizeibehörden übernehmen. Ein Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft sagte, „dass die Beweislage oft nicht ausreicht, um eine Anklage erheben zu können“.

Das Ministerium erklärte, dass das Problem nicht allein NRW, sondern ganz Deutschland und Europa betreffe. Trotzdem „bereitet uns die Situation Sorge, und wir versuchen gegenzusteuern“, sagte ein Sprecher von Innenminister Ralf Jäger (SPD).  ▶ Region & NRW

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