Experte: Die rechtsextreme Szene wird immer radikaler

 

Sa, 6. Okt. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Region Rhein-Maas / Seite 9

Experte: Die rechtsextreme Szene wird immer radikaler

Fachhochschule Düsseldorf erforscht Entwicklungen rechter Gesinnung in Deutschland. Themen sind Gewalt und Fanatismus.

Köln/Düsseldorf. Die rechtsextreme Szene in Nordrhein-Westfalen hat sich nach Einschätzung des Düsseldorfer Rechtsextremismusforschers Fabian Virchow zunehmend radikalisiert. Die rechtsex-treme Partei NPD sei auch in NRW durch Zusammenarbeit mit den sogenannten Kameradschaften neonazistischer geworden, sagte der Leiter des Forschungsschwerpunkts Rechtsextremismus/Neonazismus (Forena) an der Fachhochschule Düsseldorf gestern in Köln.

Die inzwischen verbotenen Zusammenschlüsse „Kameradschaft Aachener Land“ und „Nationaler Widerstand Dortmund“ seien deutschlandweit ein Bezugspunkt für die Neonazi-Szene gewesen. Die rechte Szene in NRW habe zudem durch Gruppierungen wie „Pro Köln“ und den entsprechenden Ableger auf Landes- und Bundesebene maßgeblich den organisierten Rechtspopulismus hervorgebracht, erläuterte Virchow.

Auch das Phänomen der „Autonomen Nationalisten“ ist nach Angaben von Virchow in NRW mit einer Reihe aktiver Gruppen in Dortmund relativ früh entstanden, erklärte der Sozialwissenschaftler. Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des bundesweit einmaligen Hochschulschwerpunktes findet zurzeit eine Jubiläumstagung zu dem Thema statt. Forschungsziel der Zukunft ist nach Einschätzung von Virchow die Frage, welche Faktoren dazu beitragen, dass Neonazis fanatisch werden und sich unterschiedlichen Gewaltniveaus zuwenden.

Was folgt auf NPD-Verbot?

Eine weitere Fragestellung, mit
der sich die Forscher jetzt auch befassen, sind den Angaben zufolge die Auswirkungen eines möglichen NPD-Verbots. Dabei gehe es um die Überlegungen: „Gehen die dann in den Untergrund?“, „Findet eine Radikalisierung statt?“ oder „Nutzt ein Verbot überhaupt etwas?“. (epd)

Vier Rechte aus dem Kreis Heinsberg angeklagt

Ein brutaler Angriff auf einen 48-Jährigen in Wassenberg hat für drei Männer und eine Frau aus der rechten Szene ein juristisches Nachspiel. Die Aachener Staatsanwaltschaft erhob gestern gegen die Beschuldigten Anklage wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung, wie die Behörde mitteilte. Die mutmaßlichen Täter im Alter zwischen 16 und 26 Jahren aus Heinsberg und Wassenberg sollen vor einem Jahr vor einem Jugendtreff zunächst Mitglieder für die inzwischen verbotene Kameradschaft Aachener Land angeworben und nationalsozialistische Grußformeln gerufen haben. Dann pöbelten sie zwei Passanten an und schlugen einen zusammen. Nachdem das Opfer schon am Boden lag, prügelten und traten alle vier auf den Mann weiter ein. Er trug eine Platzwunde, Schnittwunden und Prellungen davon. (red)

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