Islamist ruft zu Gewalt in Deutschland auf

 

Mi, 23. Mai. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Titel Aachen / Seite 1

Islamist ruft zu Gewalt in Deutschland auf

Sicherheitsbehörden warnen nach Drohvideo: Neue Stufe der Eskalation. Es ist nicht nur an Salafisten gerichtet. Gegen Pro NRW, Journalisten und Polizei.

Von Hagen Strauss

Berlin. Deutsche Sicherheitskreise schlagen Alarm: Ein „Gewaltexzess“ durch kleine islamistische Gruppen oder Einzeltäter sei zu befürchten, „wir hoffen, dies zu verhindern“, hieß es gestern in Berlin. Hinweise auf konkrete Tatplanungen gebe es aber nicht. Die Konfrontation zwischen Salafisten und Anhängern der rechtsextremen Partei Pro NRW hat eine neue Eskalationsstufe erreicht, seit am Wochenende ein Mordaufruf im Internet erschienen ist. Das „gesamte Spektrum möglicher Reaktionen“ sei jetzt denkbar, so die Behörden warnend.

Es ist eine Videobotschaft des in Pakistan lebenden deutschen Islamisten Yassin Ch. alias Abu Ibrahim an die „Geschwister in Deutschland“, die die Sicherheitskreise extrem beunruhigt: „Ich soll euch sagen, dass ihr sie alle töten sollt.“ Oder: „Lauert ihren Mitarbeitern auf, tötet sie und verpasst ihnen eine Lehre, die sie nie vergessen werden.“ Etwa sieben Minuten lang ist das Drohvideo des Mannes, dessen Worte dem Vernehmen nach Gehör finden in der Szene. Es richtet sich gegen Mitglieder der Splitterpartei in NRW und gegen Journalisten „deutscher Medienabteilungen“, vor allem des Magazins „Spiegel“. Sicherheitskreise sehen darin den vorläufigen Höhepunkt der Auseinandersetzung um die Koran-Verteilaktion von Salafisten, gegen die Pro NRW mit provokanten islamkritischen Karikaturen demons-triert hatte. Für die Betroffenen wurden inzwischen besondere Schutzmaßnahmen eingeleitet. Zumal in dem Video dazu angestachelt wird, in Ruhe Adressen und Arbeitswege auszuspionieren. „Dann schlagt zu“, heißt es.

Der Aufruf, so die Analyse der Experten, sei geschickt aufgebaut und religiös unterlegt: „Das macht uns besondere Sorge“. Er könne nicht nur zur Radikalisierung von jungen Muslimen führen, sondern zugleich als Aufforderung für Einzeltäter verstanden werden ähnlich dem Attentäter im französischen Toulouse. Dort hatte ein 24-Jähriger Islamist sieben Menschen, darunter drei jüdische Kinder getötet. Auch sei die Botschaft allgemein gehalten und an die gesamte islamistische Szene in Deutschland adressiert.

Insofern richtet sich das Augenmerk der Sicherheitskräfte jetzt nicht nur auf Salafisten. Insgesamt gehen die Behörden von 130 „Gefährdern“ in Deutschland aus, denen sie zutrauen, „die Fähigkeit für Anschläge zu haben“. Darunter sind dem Vernehmen nach 24 Salafisten. Besonders alarmiert ist man durch die offene Gewalt „auf der Straße“ gegen Polizisten, die es kürzlich erstmals in Bonn gegeben hat. In dem Video werden die Beamten als Handlanger der Islamfeinde gesehen. „Wenn es zwei, drei Tage ruhig bleibt, ist die Sache noch nicht ausgestanden“, so die Sicherheitskreise.

„Ich soll euch sagen, dass ihr sie alle töten sollt.“

Aus dem Drohvideo

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