Die Linke im Muff von tausend Jahren

Autor: Samuel Schirmbeck

Datum: 19.01.2015

Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/linke-verweigern-diskussion-ueber-islam-und-gewalt-13377388.html?printPagedArticle=true#/elections

© Samuel Schirmbeck

© AFP

Islam und Gewalt

Die Linke im Muff von tausend Jahren

Man konnte aus Algerien berichten, was man wollte, die kleine linke Dynastie im Frankfurter Nordend wollte von einem verknöcherten Islam nichts wissen. Sie sagte: Wer den Islam angreift, greift die Muslime an. Ein Weggefährte berichtet.

19.01.2015, von Samuel Schirmbeck

Als ich nach den zehn „schwarzen Jahren“ des Terrors aus Algerien nach Frankfurt zurückkehrte, traute ich meinen Ohren nicht. Die 150.000 Toten, die zahllosen, wegen gemischter Klassen abgebrannten Schulen, die Säureattentate auf unbedeckte Frauenbeine, die Enthauptung von Dampfbad-Betreibern, die Zerstörung von Weinregalen per Kalaschnikow-Salve, die Ermordung von Ordensleuten, Schwestern wie Patres, und die Hinrichtung einiger meiner – muslimischen – Freunde hätten mit dem Islam nichts zu tun, belehrten mich meine linken deutschen Freunde, 68er, Gewerkschafter, Grüne, SPD-Mitglieder. Es sei dem islamistischen Untergrund von der „Bewaffneten Islamischen Gruppe“, kurz GIA, nicht um den Islam gegangen, sondern um den Widerstand gegen das korrupte, diktatorische Militärregime, letztlich also um mehr Gerechtigkeit und Demokratie. Mit der Religion habe das alles nichts zu tun. Sie könnten ja meine Traumatisierung verstehen, doch sie verstelle mir den analytischen Blick.

Ich fragte sie: Warum haben die Islamisten dann genau jene Intellektuellen, jene Schriftsteller, Künstler, Theaterleute, Filmemacher und Sänger umgebracht, die gleichfalls allesamt gegen das korrupte Willkürregime gewesen sind? Warum sollten sie das getan haben, wenn es ihnen doch um das „Wohl des Volkes“ gegangen ist? Darauf bekam ich Antworten à la „Das liegt an der geistigen Entwurzelung Algeriens durch den Kolonialismus“, obwohl zum Beispiel der Arzt und Schriftsteller Laadi Flici in seiner Jugend auf Seiten der Aufständischen in der „Schlacht von Algier“ gegen französische Fallschirmjäger gekämpft hatte. Er wurde in seiner Praxis in der heruntergekommenen Kasbah von Algier mit zwei Schüssen niedergestreckt, obwohl er hier den Ärmsten der Armen half.

Kein Aufschrei nach Massaker an Nicht-Muslimen

Flici hatte in den Augen der Islamisten jedoch einen Kardinalfehler, ebenso wie alle anderen umgebrachten Intellektuellen: Sie wollten Auswege aus der Misere zeigen, aber andere als über die Errichtung eines Gottesstaates. Insofern waren die Intellektuellen die schärfste Konkurrenz der Islamisten. Denn für sie ging es in erster Linie um die Herrschaft der Religion, des Islam, auf allen Gebieten und erst in zweiter Linie um das „Wohl des Volkes“, wenn überhaupt.

Als diese Argumentation nichts fruchtete, berichtete ich von Tamesguida. In der dortigen Schlucht baute die jugoslawische Firma Hydro-Elektra 1993 im Auftrag der algerischen Regierung einen Staudamm. In einer Dezembernacht schlichen sich bewaffnete Untergrundislamisten an die Baracken der Hydro-Elektra-Mitarbeiter, banden den hilflosen Jugoslawen die Hände mit Draht auf den Rücken und schauten nach, wer beschnitten war und wer nicht. Zwölf Kroaten wurden noch in der Nacht zum Flusslauf geführt und mussten nebeneinander niederknien. Einem nach dem anderen schnitten die Islamisten die Kehle durch: Selektion nach religiösem Raster, denn die verschonten bosnisch-muslimischen Hydro-Elektra-Mitarbeiter waren so sehr „Unterstützer des Tyrannen“ (des Militärregimes) wie die abgeschlachteten Kroaten. Bald aber wurde das Raster „Gläubige – Ungläubige“ auch auf Muslime selbst ausgeweitet, wurden sie nach „wahren“ und „falschen“ unterteilt.

Refrain vom friedlichen, toleranten Islam

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es seitens muslimischer Rechtsgelehrter und religiöser muslimischer Verbände im damals noch sicheren Europa einen Aufschrei angesichts dieser Morde im Namen des Islam gegeben hätte. Der Refrain vom friedlichen, toleranten Islam wurde wiederholt, als sei nichts geschehen. Erst jetzt, wo den Verbänden das Wasser bis zum Hals steht, kommen sie in Bewegung, verschanzen sich aber immer noch hinter der Schutzmauer, die Islam vom Islamismus trennt – wie vor zwanzig Jahren meine linken politischen Weggefährten, nachdem sich die religiösen Motive der Massaker nicht mehr leugnen ließen.

Sie lagen damit auf einer Linie mit dem algerischen Militärregime, das – wenn es sich überhaupt einmal zu dem Grauen im Land äußerte – stets erklärte, das alles habe mit dem Islam nichts zu tun, das sei Terrorismus. Der Terrorismus wurde militärisch bekämpft, stumm, ohne Fragen an den Islam zu stellen, denn der Islam war Staatsreligion. Ebenso wie man den Kampf gegen den Terrorismus in Deutschland heute den Sicherheitskräften überlässt – nicht gern, von linker Seite –, Hauptsache, der Islam wird dabei nicht kritisch unter die Lupe genommen. Stattdessen umso mehr die deutsche Gesellschaft, ihre „Ausgrenzung“ der Muslime, ihre „Islamophobie“, der „Überwachungswahn“ der Geheimdienste und so weiter.

Wer sitzt an diesem Stammtisch?

Als Nikolaus Schneider im November 2014, damals noch Ratspräsident der EKD, von den Islamverbänden eine tiefergehende Auseinandersetzung mit Ansatzpunkten für die Legitimierung von Gewalt im Koran und in der islamischen Tradition verlangte, ließ die „taz“ ihr schärfstes Fallbeil auf Schneider niedersausen: „Der Stammtisch wird ihm applaudieren.“

An diesem „Stammtisch“ säßen dann auch einige von meinen muslimischen Freunden, wären sie am Leben gelassen worden von der Gewalt im Namen des Islam. Der algerische Schriftsteller Tahar Djaout etwa, der Satiriker Saïd Mekbel, der Arzt Laadi Flici – sie hätten Nikolaus Schneider applaudiert dafür, dass er die zentrale Frage stellte: die nach den Wurzeln der grenzenlos wachsenden Gewalt im Namen des Islam. An diesem Stammtisch säßen nun auch die Ermordeten von „Charlie Hebdo“. Schon zehn Jahre vor Nikolaus Schneider hatte der tunesische Islamologe Abdelwahab Meddeb geschrieben: „Die Muslime müssen sich der Frage ,Islam und Gewalt‘ stellen. Der Zusammenhang ist ein Faktum, in der Geschichte und in den Schriften. Wir haben es mit einem Propheten zu tun, der selber getötet und zum Töten aufgerufen hat.“

Klammheimliche Freude nach 9/11

Als hätte der Mann im Mond plötzlich ein Messer herausgeholt und begonnen, auf die Erde einzustechen, so unvorstellbar erschien mir nach den Gemetzeln in Algerien und nach „9/11“, was da geschah. Doch meine linken Frankfurter nahmen, jedenfalls, was die Anschläge von New York anging, die rasende Regression des Islam sogar mit klammheimlicher Freude wahr.

Nun auch selbst permanent der „Islamophobie“ und „Ausländerfeindlichkeit“ bezichtigt, obwohl ich in Nordafrika inzwischen mehr muslimische Freunde hatte als nichtmuslimische in Frankfurt, suchte ich verzweifelt nach einem Beweis, dass Islamkritik nicht islamophob sei. Es galt, einen Muslim zu finden, den man nicht als „verwestlichten Intellektuellen“ abtun könnte, einen Muslim, wie er muslimischer nicht sein konnte und der dennoch den Islam in seiner heutigen Form kritisierte. Schließlich fand ich ihn: Soheib Bencheikh, damals Großmufti von Marseille, Rechtsberater von 46 muslimischen Gemeinden der Stadt am Mittelmeer. Seine Islamkritik würden auch die Islamverbände in Deutschland nicht als „unwissenschaftlich“ abtun können.

Soheib Bencheikh kam aus einer seit Generationen tief religiösen muslimischen Familie. Sieben seiner Onkel waren Imame. Bencheikhs Vater, Scheich Abbas, war ein renommierter Islamgelehrter, überdies Präsident des Hohen Islamischen Rates Algeriens und später Rektor des Muslimischen Institutes der Großen Moschee von Paris. Seine Vorfahren hatten in Algerien „zaouias“, religiös-soziale Gemeinschaften, gegründet. Soheib selbst war an der Al Azhar-Universität in Kairo in islamischer Theologie ausgebildet worden, nachdem er in Saudi-Arabien seine Kindheit und in Algerien seine Schulzeit verbracht hatte. Er kannte sich also sowohl im Nahen Osten wie in Nordafrika aus. Dieser Religionsgelehrte sah die Ursache für die erschreckende Entwicklung des Islam im Islam selbst: „Das größte Gut einer Religion liegt in ihrer Theologie, aber ihr größtes Übel kommt ebenfalls aus ihrer Theologie – wenn sie stagniert.“

„Berechtigte Angst vor dem Islam“

Auf die Frage, ob die Angst vor dem Islam berechtigt sei oder Ausdruck von „Islamophobie“, sagte Soheib Bencheikh in die Kamera: „Die Angst vor dem Islam ist vollkommen berechtigt. Im Namen dieser Religion werden die schrecklichsten Verbrechen begangen. Im Namen dieser Religion geschieht derzeit eine ungeheure Barbarei. Wenn die Menschen Angst vor dem Islam haben, so ist das völlig normal. Auch wenn ich kein Muslim wäre, würde ich mich fragen, was das für eine Religion ist, auf die sich Verbrecher berufen.“

Soheib Bencheikh hatte vom „Islam“ gesprochen und die in dessen Namen verübten Verbrechen nicht auf einen „Islamismus“ abgeschoben. Die Schutzmauer, die beide trennte und die den Islam davor bewahrte, sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen, gab es für ihn nicht, im Gegenteil: „Die Tiefe und die geistige Dimension des Koran wurden verschüttet. Stattdessen hat man millimetergenau nachgeäfft, was eine menschliche Person, nämlich der Prophet, getan haben soll. Man läuft Gefahr, den Islam auf dem Niveau der damaligen Beduinengesellschaft festzuschreiben und ihn für immer im sechsten Jahrhundert nach Christus festzunageln. Die himmlischen Heerscharen sind nur damit beschäftigt, Bekleidungs- und Nahrungsregeln zu erlassen – wie eine himmlische Hausordnung! Wahrhaftig eine platte, ausgetrocknete Vorstellung von der Religion!“

Das, dachte ich, müsste meine linken Weggefährten doch beeindrucken. Hatten sie nicht einst den Spruch erfunden: „Unter den Talaren Muff von tausend Jahren“, um Reformen voranzubringen? Dann müsste ihnen doch die Islamkritik eines Bencheikh einleuchten, der im Grunde doch auch sagte: „Von den Minbaren Muff von tausend Jahren“. Minbar war die Kanzel der Moschee: „In der Welt der Moscheen herrscht oft noch die Dummheit, die Unwissenheit. Niemals ein Wort der Selbstkritik. Niemals! Die ganze Welt hat unrecht, und wir ruhen uns auf unserer kleinen Wahrheit aus. Das zeigt eine Denkfaulheit, wie sie typisch ist für das Ende großer Dynastien.“

Intelligenz der Muslime in Ketten gelegt

Ich aber hatte nun das Gefühl, dass es mit der kleinen linken Dynastie im Frankfurter Nordend langsam zu Ende ging, so sehr weigerte man sich dort, die Schutzwand zwischen Islam und Islamismus zu durchbrechen. Man machte eine Wand aus Muslimen daraus. Man machte sie dadurch unangreifbar, diese Trennwand, dass man sagte, wer den Islam angreife, greife die Muslime an. Als ob, wer den Stalinismus angriff, die Russen angegriffen hätte, als ob, wer das Christentum angriff, die Kirchgänger angriff, als ob, wer den Kapitalismus angriff, die Arbeiter und Angestellten angriff. Im Gegenteil konnte man doch eine Ideologie, eine Religion gerade um dessentwillen kritisieren, was sie aus Menschen machte, die man mochte. Ich hatte genug Frauen und Männer in zehn Jahren Nordafrika unter dem Islam leiden sehen, als dass mir seine ideologische Macht hätte gleichgültig bleiben können. Soheib Bencheikh sah einen Hoffnungsschimmer – in Europa.

Er sagte: „Theologisch kommen wir weiter, wenn wir die Freiheit nutzen, die wir in Frankreich haben, dieses Glück, in einem modernen Rechtsstaat zu leben. Das sind Dinge, die es bei uns nie gab und die wir im muslimischen Denken verwirklichen müssen. Jedes Jahrhundert muss sich ein neues Bild vom Koran machen. Muss ihn mit seiner eigenen Intelligenz interpretieren. Sonst geht die Religion zugrunde – was ja bereits geschieht. Das liegt an dieser am Buchstaben klebenden, hausordnungshaften Auffassung, die die Intelligenz der Muslime in Ketten legt“. Die deutsche Linke kann man abhaken, was die Befreiung aus diesen Ketten angeht. Sie, die einst den ersten „Club Voltaire“ in der Bundesrepublik gründete, hatte den Voltaire in sich schon längst begraben.

Die Träne auf dem Charlie-Hebdo-Titelblatt

Ein Jahr nachdem 1996 sieben Mönche aus dem Bergkloster Tibéhirine in der waldreichen Einsamkeit um Medea, achtzig Kilometer südlich von Algier, von der „Bewaffneten Islamischen Gruppe“ entführt worden waren, fuhr ich mit dem Erzbischof von Algier, Monsignore Teissier, in dieses auch durch den Film „Von Göttern und Menschen“ bekannt gewordene, nach der Entführung leerstehende Kloster. Im Klosterhof lagen die sieben Mönche begraben. Während Teissier vor Angehörigen der Ermordeten im Lärm des uns absichernden Armeehubschraubers eine Gedenkpredigt hielt, schaute, halb hinter einem Baumstamm verborgen, jemand zu. Jemand mit Stoppelbart, in zerbeulter Hose. Es war einer der Bergbauern, mit denen zusammen die Mönche von Tibéhirine eine Landwirtschaftskooperative betrieben hatten. Er hatte Tränen in den Augen.

Prior Christian hatte sich vor der Entführung in einem Testament an seinen möglichen Mörder gewandt: „Und auch du, Freund der letzten Minute, der nicht gewusst haben wird, was er tat, ja, auch für dich möchte ich dieses ,danke‘ sprechen und das ,à Dieu‘, das du vollendet hast . . ..“ Vielleicht ist das „Tout est pardonné“ auf der jetzigen Titelseite des antiklerikalen „Charlie Hebdo“, über das derzeit gerätselt wird, sogar im Sinn des Mönches aus Tibéhirine zu verstehen: Auch diese Mörder wussten nicht, was sie taten. Der algerische Bergbauer wusste es. Die Träne dieses Muslims legitimiert die des Propheten auf dem „Charlie Hebdo“-Titelblatt, denke ich, für alle jene, die in Religion mehr sehen können als eine „himmlische Hausordnung“.

Lynchjustiz im Namen des Alltags-Islam

Voltaire aber schweift jetzt eher zwischen Tanger und Tunis umher. Veranstaltet öffentliche Anti-Ramadan-Picknicks, in Marokko und Algerien, um gegen den Glaubenszwang und für Gewissensfreiheit zu demonstrieren. Wird dafür verprügelt, festgenommen und riskiert Gefängnis. Trifft sich zum ersten Kiss-in auf muslimischem Boden vor dem Parlament in Rabat, als Antwort auf das Gerichtsverfahren gegen ein 14 Jahre altes Mädchen und zwei 15 Jahre alte Buben. Das Mädchen hatte seinen Freund geküsst, und dessen Freund hatte das Bild ins Internet gestellt. „Tötet sie!“, hatten die Frömmler im Netz gefordert. Daraufhin gab es das Solidaritäts-Kiss-in von rund vierzig Leuten, die von Gegendemonstranten schnell zusammengeschlagen wurden. „Tötet ihn“, forderte ein Proteststurm von Gläubigen, nachdem ein marokkanischer Journalist gefordert hatte, die Bestrafung von Sex außerhalb der Ehe aus dem Gesetzbuch zu streichen.

„Tötet ihn“, rief auch ein wilder Haufen von Studenten an der Universität von El Jadia in Marokko, nachdem der Dekan eine Vorlesung über das Werk des marokkanischen Schriftstellers Abdellah Taia gestattet hatte. Nur durch Flucht konnte der Mann verhindern, gelyncht zu werden. Abdella Taia hatte sich als erster Intellektueller Marokkos als homosexuell geoutet. Die Verfolgung der Anti-Ramadan-Picknicker, der Küssenden, der sexuelle Freiheit fordernden Journalisten, der Homosexuellen erfolgt nicht durch einen „Islamismus“, sondern aufgrund des Alltags-Islam, wie er sich in den Gesetzen Marokkos und Algeriens widerspiegelt. Überall auf der Welt, wo der Islam Macht bekommt, werden Frauenrechte und Gedankenfreiheit eingeschränkt, Minderheiten verfolgt. Darauf hinzuweisen, auf diesen gefährlichen Kern des Islam, nicht des „Islamismus“, auch hierzulande, wo er die Macht dazu Gott sei Dank nicht hat, wird von der Linken als „islamophob“ gegeißelt.

Attentat auf ,Charlie Hebdo‘ gerechtfertigt

„Wir sollten ehrlich sein und zugeben: Mehr als der islamistische Terror ist es die Dauerberieselung durch einen uns allen von den Machthabern aufgezwungenen sinnentleerten religiösen Diskurs, die zu den Extremismen führt. Die Vernunft daran zu hindern, sich wirklich ernsthaft bei uns einzurichten, ist die wahre Katastrophe“, sagte Abdellah Taia und riss damit die Schutzmauer zwischen Islam und Islamismus ein, die in jeder deutschen Talkshow zum Thema Islam immer wieder aufs Neue errichtet wird.

Doch Abdellah Taia ist längst nicht der einzige muslimische „Voltaire“ Nordafrikas, der die Trennwand einreißt, die den „toleranten friedlichen“ Islam vor seiner obskurantistischen gewalttätigen Seite schützt. Der algerische Islamforscher und Journalist Saïd Djabelkhir schrieb zwei Tage nach dem Attentat auf „Charlie Hebdo“: „Der traditionelle religiöse Diskurs rechtfertigt in der Tat diese Gewalt. Es fordert uns viel Mut ab, das anzuerkennen, aber nichtsdestoweniger ist es die Realität.“ Für den Islamforscher liegt die beste Möglichkeit zur Bekämpfung des Terrorismus darin, „die religiösen Texte und archaischen Interpretationen und Diskurse anzugreifen, die immer noch Terrorismus hervorbringen und ihn rechtfertigen“.

Mit Mahnwachen gegen Extremisten?

Vielleicht, wenn sie schon selbst nicht den Mut dazu haben, solche Sätze auszusprechen, lädt der Zentralrat der Muslime zur nächsten Mahnwache diesen muslimischen Denker ein, als Zeichen internationaler Solidarität im Namen des friedfertigen Islam. Oder den Leitartikler der bedeutenden algerischen Zeitung „El Watan“, wenn es um das befürchtete „Amalgam“ von friedlicher muslimischer Mehrheit und Fanatikern geht. „Fest steht“, schreibt die Zeitung, „dass auch wir als arabisch-muslimische Einheiten an den Amalgamen arbeiten sollten, die wir unsererseits produzieren. Es ist erschreckend, festzustellen, dass Jugendliche in Algerien und anderswo, gebildete Leute, die Ermordung der Journalisten und Zeichner von ,Charlie Hebdo‘ rechtfertigen. Von Algier bis Dubai finden sich im Internet Äußerungen, die einem das Blut gefrieren lassen und die von unserer Unfähigkeit zeugen, den historischen Wandel zu vollziehen, den der Islam braucht. Die Frage ist doch, was im Umgang mit unserer Religion derartige Abirrungen erlaubt?“.

Wie schwer diese Fragestellung sein wird, deutete der muslimische Philosoph Abdennour Bidar im Dezember in seinem „Offenen Brief an die muslimische Welt“ an: „Ich sehe dich ein Monster hervorbringen, das sich ,Islamischer Staat‘ nennt. Das Schlimmste aber ist, dass ich dich deine Zeit und deine Ehre damit verlieren sehe, dich zu weigern, zuzugeben, dass dieses Monster aus dir geboren ist, aus deinen Irrwegen, deinen Widersprüchen, deinem unaufhörlichen Hin- und Hergerissensein zwischen Vergangenheit und Gegenwart, deiner schon zu lang andauernden Unfähigkeit, deinen Platz in der menschlichen Zivilisation zu finden.“

Mit diesen Leuten an meiner Seite freue ich mich auf die nächste Gesprächsrunde mit meinen alten linken Weggefährten im Frankfurter Nordend. Thema „Die Mauer muss weg“. Die Schutzmauer zwischen Islam und Islamismus. Danach kommen vielleicht blühende Landschaften.

© Samuel Schirmbeck, 19.01.2015.

Mustafa Badreddine: Hisbollah macht Islamisten für Tod von Militärkommandeur verantwortlich

SPIEGEL ONLINE, 14.05.2016

Der Hisbollah-Anführer Mustafa Badreddine kam bei einem Luftangriff in Syrien ums Leben, Israel war dafür verantwortlich gemacht worden. Die Schiiten-Miliz beschuldigt jetzt islamistische Terroristen.

Den vollständigen Artikel erreichen Sie im Internet unter der URL http://www.spiegel.de/politik/ausland/hisbollah-islamisten-fuer-tod-von-kommandeur-mustafa-badreddine-verantwortlich-a-1092378.html

Riskiert Hisbollah einen neuen Krieg mit Israel?

Nachrichten-Artikel vom 13.05.2016 13:40 Mustafa Badr al-Din war der Generalstabchef der libanesischen Hisbollah. Jetzt ist er bei einer „gewaltigen Explosion“ bei Damaskus ums Leben gekommen. Riskiert die Miliz einen Krieg mit Israel? Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/politik/ausland/article155321382/Riskiert-Hisbollah-einen-neuen-Krieg-mit-Israel.html

Warum Israel vorhersagen kann, wer Terrorist wird

Nachrichten-Artikel vom 12.05.2016 14:32 Lange war Israel gegen spontane Terrorangriffe von Einzeltätern praktisch wehrlos. Jetzt hilft den Geheimdiensten das Internet. Immer mehr potentielle Terroristen werden noch vor der Tat verhaftet. Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/politik/ausland/article155291835/Warum-Israel-vorhersagen-kann-wer-Terrorist-wird.html

Erdogan scheitert mit Verfügung gegen Döpfner

Nachrichten-Artikel vom 10.05.2016 15:28 Erdogan ist mit dem Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen Mathias Döpfner gescheitert. Die Pressekammer des Landgerichts Köln begründete dies mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung. Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/politik/deutschland/article155221731/Erdogan-scheitert-mit-Verfuegung-gegen-Doepfner.html

Der lange Schatten des Sykes-Picot-Abkommens

Der lange Schatten des Sykes-Picot-Abkommens
Vor 100 Jahren teilten Großbritannien und Frankreich den Nahen Osten unter sich auf. Damit schufen sie Wurzeln für die heutigen Kriege .

Kommentar: Die britisch-französischen Kriegsverbrechen während und nach dem ersten Weltkrieg: Die Zerschlagung des osmanischen Reiches, Österreich-Ungarns und des Deutschen Reiches.  Unter den Folgen dieser Verbrechen im Namen des englisch-französischem Imperialismus sterben heute n och zehntausende!

Den Artikel finden Sie im ePaper unter:
https://epaper.zeitungsverlag-aachen.de/2.0/article/b32b5cd90f

GESTORBERN

10.05.2016

Der lange Schatten des Sykes-Picot-Abkommens

Vor 100 Jahren teilten Großbritannien und Frankreich den Nahen Osten unter sich auf. Damit schufen sie Wurzeln für die heutigen Kriege .

Von Jan Kuhlmann

Damaskus. Kurz vor Weihnachten im Jahr 1915 eilte der junge britische Abgeordnete Mark Sykes in die Downing Street 10, wo er auf einen großen Auftritt hoffte. Vor dem Kabinett seiner Majestät sollte der 36-Jährige Ideen zur Zukunft des Nahen Ostens darlegen, wo gerade das Osmanische Reich um sein Überleben kämpfte. Sykes hatte sich dank mehrerer Bücher über seine Reisen in die arabische Welt den Ruf als Kenner der Region erworben – jetzt beeindruckte er auch das Kabinett so sehr, dass sein Auftritt weitreichende Folgen hatte: Sir Mark sollte maßgeblich den modernen Nahen Osten formen – und damit auch die Grundlagen für die heutigen blutigen Konflikte in Syrien und im Irak schaffen.

Kurz darauf nämlich verhandelte der Baron im Auftrag der britischen Regierung mit dem französischen Diplomaten François Georges-Picot darüber, wie die europäischen Großmächte nach einer Niederlage des Osmanischen Reiches die arabische Welt unter sich aufteilen wollten. Am Ende einigten sich die Unterhändler auf das berühmt-berüchtigte Sykes-Picot-Abkommen, das London und Paris vor 100 Jahren am 16. Mai 1916 unterzeichneten. Nicht nur für viele Araber gilt es bis heute als ein Beispiel rücksichtsloser Kolonialpolitik, die einzig und allein von den eigenen Interessen geleitet wurde.

Mit mehreren Federstrichen steckten „Mister Sykes“ und „Monsieur Picot“ die Interessenssphären ab. Sykes zog dazu eine „Linie in den Sand“, wie der Historiker James Barr schreibt: von der heute israelischen Stadt Akko am Mittelmeer bis nach Kirkuk im Norden des heutigen Irak. Das Gebiet nördlich davon kam unter französische Kontrolle, das Gebiet südlich unter britische. Nur über Palästina konnten sie sich nicht einigen. Damit zogen London und Paris nach ihren Interessen auch Grenzen, mit denen sie Fakten schufen. Die tatsächlichen Grenzen der späteren Staaten sollten zwar erst im Laufe der Jahre festgelegt werden; dennoch gingen aus dem französischen Gebiet der Libanon und Syrien hervor, aus dem britischen Jordanien und der Irak.

Noch immer leiden diese Staaten unter der Art und Weise, wie sie entstanden sind. Bis heute ringen sie um eine nationale Identität, wobei Syrien und dem Irak sogar der Zerfall droht. In beiden Ländern streben etwa die damals nicht berücksichtigten Kurden wenn nicht nach Unabhängigkeit, so zumindest nach mehr Autonomie.

Auch die Wurzeln der heutigen Konflikte in Syrien und im Irak gehen bis zum Sykes-Picot-Abkommen zurück. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ausdrücklich den vom Westen geschaffenen Grenzen den Krieg erklärt. 2014 tauchte im Internet ein 15 Minuten langes Video der Extremisten mit dem Titel „Das Ende von Sykes-Picot“ auf. Darin prahlt ein bärtiger IS-Kämpfer: „Wir werden die Grenze (zwischen Syrien und dem Irak) niemals anerkennen.“ Was die Dschihadisten mit dem 2014 ausgerufenen „Kalifat“ de facto in die Tat umgesetzt haben.

„Die Araber getäuscht“

Sie finden mit dieser Propaganda auch deswegen Gehör, weil das Sykes-Picot-Abkommen bis heute als Verrat des britischen Königreichs an den Arabern und ihrem Streben nach Unabhängigkeit gilt. Die Übereinkunft mit Paris stand nämlich im Widerspruch zu Zusagen, die London dem Scherifen Hussein, Herrscher in Mekka, gegeben hatte.

Um ihn zum Aufstand gegen die Osmanen zu bewegen, versprach ihm der britische Hochkommissar in Ägypten, Sir Henry McMahon, in einem Briefwechsel einen unabhängigen arabischen Staat. Der britische Gesandte versuchte zwar, die Grenzen vage zu halten. Nach arabischer Lesart aber sollten auch Gebiete zu diesem Reich gehören, die laut Londons Vertrag mit Paris Frankreich zufielen. Als Georges-Picot von den Zusagen an Hussein erfuhr, reagierte er völlig ungläubig, wie der Historiker Barr schreibt. Für den Diplomaten war klar: „Was die Briten wollen, ist einzig und allein, die Araber zu täuschen.“

Das unabhängige arabische Großreich sollte nie Wirklichkeit werden. Hussein Sohns Faisal reiste zwar nach dem Ersten Weltkrieg zur Pariser Friedenskonferenz, begleitet von dem britischen Abenteurer T.E. Lawrence, auch bekannt als „Lawrence von Arabien“. Faisal aber fand dort kein Gehör. Die Briten waren jetzt in einer so starken Position, dass sie die Ansprüche des Scherifen ignorieren konnten.

Zum Trost erhielt Faisal den Thron des neu geschaffenen Irak, sein Bruder Abdullah durfte im Königreich Jordanien an die Macht. Das Sykes-Picot-Abkommen war zu diesem Zeitpunkt längst bekannt. Im November 1917 veröffentlichte es die bolschewistische Führung in Moskau in den Zeitungen „Iswestija“ und „Prawda“ – Briten und Franzosen hätten es angesichts seiner Brisanz lieber geheim gehalten.

Mit Hightech gegen Terror-Tunnel der Hamas

Nachrichten-Artikel vom 10.05.2016 13:23 Bislang pries die Hamas im Gazastreifen ihre Tunnel nach Israel als Wunderwaffe. Neue Technologien können die jetzt aufspüren. Das sorgt aber nicht unbedingt für Ruhe – Die Islamisten werden nervös. Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/politik/ausland/article155179634/Mit-Hightech-gegen-Terror-Tunnel-der-Hamas.html

Junge Männer, die die Kultur der Gewalt mitbringen

Nachrichten-Artikel vom 08.05.2016 11:14 Die Ereignisse von Köln waren nur ein Vorspiel: Viele arabische Migranten bringen ein frauenfeindliches Gesellschaftsbild mit nach Deutschland. Das macht sie kaum integrierbar. Ein Gastkommentar. Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article155134929/Junge-Maenner-die-die-Kultur-der-Gewalt-mitbringen.html

Araber-Clans unterstützen Partei mit Drogengeld

Die Zollfahndung Essen soll einen mutmaßlich millionenschweren Geldwäscheskandal aufgedeckt haben. Demnach wurde Drogengeld von Araber-Clans in Europa gewaschen. Im Auftrag einer Partei.

Die Zollfahndung Essen hat nach „Spiegel„-Informationen eine mutmaßlich millionenschwere Geldwäsche im Auftrag der schiitischen Partei Hisbollah aufgedeckt.

……

http://www.welt.de/politik/deutschland/article154899643/Araber-Clans-unterstuetzen-Partei-mit-Drogengeld.html