Jahrzehntelang geparkt – auf einmal hagelt es Knöllchen

Sa, 25. Jul. 2015
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokaltitel Aachen / Seite 15

Jahrzehntelang geparkt – auf einmal hagelt es Knöllchen

Anwohner des Erlenweges auf der Hörn sind auf der Palme. Ärger gibt es auch über Tempo 30-Zone auf dem Seffenter Weg.

Von Heiner Hautermans

Aachen. Anwohner auf der Hörn sind auf der Palme. Auf dem Seffenter Weg wurde eine Tempo 30-Zone eingeführt, ohne jede Vorwarnung und ohne dass auf die diskret montierten Schilder (etwa mit einem Papp-Polizisten) hingewiesen worden wäre.

Rentner Norbert Kelleter: „Die Leute sind schockiert und das mit Recht. Das kann es ja nicht sein, das ich von heute auf morgen Schilder aufstelle und die Leute ins offene Messer laufen lasse.“ Silvia Mertens vom gleichnamigen Getränkedienst: „Ich bin drei Mal rauf und runter gefahren, bis ich die Schilder gesehen habe. Ich finde es Abzocke pur, auf dem Seffenter Weg hat es immer Tempo 50 gegeben.“ Ihre Tochter hat ein Knöllchen über 25 Euro bekommen, Silvia Mertens weiß aber auch von Kunden, die Punkte in Flensburg oder ein Fahrverbot bekommen haben.

Noch mehr in Rage sind allerdings die Anwohner des Erlenwegs, einer kleinen Wohnstraße zwischen Kastanienweg und Seffenter Weg seit einem Vorfall vom Donnerstagmorgen. In der Nachbarschaft stehen die großen Studentenwohnheime, die vom Pariser Ring aus sichtbar sind. Dort wird in Kürze ein weiteres Großgebäude errichtet, der Bauplatz ist seit dem 19. Juli abgesperrt, die dort üblicherweise abgestellten Pkw verteilen sich nun auf die übrigen Straßen in dem Gebiet aus den 1950er Jahren. Auch im Erlenweg um die Ecke. Am Donnerstag war ein Wagen so ungünstig geparkt, dass die Müllabfuhr nicht in den Erlenweg einfahren konnte. Das Auto wurde abgeschleppt, berichten die Anwohner. Eine Mitarbeiterin des Ordnungsamts habe anschließend unter die Scheibenwischer aller dort geparkten Wagen gelbe Zettel geklemmt, insgesamt etwa ein Dutzend. 25 Euro hätten sie zu zahlen, weil die Restbreite weniger als drei Meter betrage, berichtet Anwohnerin Daniela Hagedor n: „Das ist nicht bürgernah, so ohne jede Vorwarnung. Müssen wir jetzt mit dem Zollstock nachmessen?“ Leah Stommel, die gerade ihre Großmutter nach Hause bringt, fragt sich, weshalb im Erlenweg nicht mehr geparkt werden darf: „Es ist ein absolutes Unding. Soll die Oma künftig kilometerweit laufen? Es hat seit Jahren wunderbar funktioniert und nie ein Problem gegeben.“ Großmutter Barbara von Stralendorff fürchtet, dass sie dann die Kinder nicht mehr besuchen kann: „Oft finde ich jetzt schon keinen Parkplatz und muss lange herumkurven.“ Auch Helga Schneider ärgert sich: „Hier ist 55 Jahre die Müllabfuhr durchgekommen.“ Seit 1960 wohnt sie im Erlenweg, niemals sei die geringe Straßenbreite (4,46 Meter) von Belang gewesen.

Gesetzliches Parkverbot

Elmar Rosen, stellvertretender Leiter des Ordnungsamts, bestätigt allerdings, dass es in Sträßchen mit geringem Querschnitt ein gesetzliches Parkverbot gibt. „Wenn die Restfahrbahnbreite weniger als drei Meter ist, darf dort nicht geparkt werden.“ Dazu bedürfe es auch nicht der Aufstellung von Schildern. Allerdings bräuchten die Anwohner nicht zu befürchten, dass die Strafzettelverteilung „jetzt eine Daueraktion wird“.

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