Kulturkampf in Aachen

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Kulturkampf in Aachen

Nathan Warszawski

Aachen erkennt man an seinen Widersprüchen, die keine sind. Die Großstadt am Rande Deutschlands war einst das politische und geographische Zentrum der Germanen. Heute ist sie tiefste Provinz. Sie hat sich seit Carolus Zeiten nicht zurückentwickelt.
Aachen hat alles, was das bürgerliche Herz begehrt. Im Stadtrat regieren äußerlich friedlich und vereint CDU mit Grünen. Den Bürgermeister halten manche Einheimische für einen Sozialdemokraten. Verschieden Zeitungen halten sich für bedeutend und beschäftigen dieselben Redakteure, die ihren Stil der jeweiligen Zeitung wie Chamäleone anpassen. Im großartigen, zu klein geratenen Dom ruht Karl der Große, dessen Gebeine verschollen sind. Zuweilen geruht ein Bischof dort zu beten, der, obwohl kein Zionist, mehrmals jährlich nach Israel fährt, um Gaza und Bethlehem mit dem von ihm bewunderten Warschauer Ghetto zu vergleichen. Als katholischer Priester ist er nicht verheiratet.
Eine Jüdische Gemeinde darf nicht fehlen. Wie im nördlichen Korea gibt der demokratisch und frei gewählte sein Amt erst dann auf, wenn Abraham ihn zu seinem Schoß ruft (Der Vorsitzende möge ein langes Leben haben!). Sein Nachfolger ist nicht sein Sohn wie im nördlichen Korea, in einigen Jüdischen Gemeinden Nordbayerns und selten in den USA usus. Vor der Synagoge steht ein bemannter Polizeiwagen, der 24/7 aufpasst, außer wenn Nazi-PLO-Parolen wie von Geisterhand auf der Synagogenwand gesprüht erscheinen.
Die große Evangelische Kirche, katholisch Gemeinschaft genannt, fühlt sich als Diaspora. Laut Wikipedia widmet sich die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Aachen dem jüdisch-christlichen Dialog. Die erste Moschee Aachens wurde von Muslimbrüdern gegründet und von der Stadt Aachen mitfinanziert. Im Aachener Friedenspreis tobt ein Krieg auf Karriere und Tod. Der von allen Aachenern bewunderte Frankenherrscher Karl der Große hätte heute keine Chance, den Aachener Karlspreis zu erhalten, da er weder überzeugter Europäer, noch ständig islamophil war. Der Orden wider den tierischen Ernst wird nur dem Witzlosen und Humorfreien verliehen. Heine besuchte Aachen und hinterließ ein Gedicht, welches in Aachen niemand kennt.
Im Herzen der Kaiserstadt residieren aufrechte Freunde Israels, die sich unter der Obhut der Deutsch-Israelischen Gesellschaft DIG Aachen e.V. versammelt haben. Die Aachener DIG gehört nicht der deutschen DIG an.
Einmal jährlich vergibt die DIG Aachen e.V. einen Ehrenpreis. Der Ehrenpreisempfänger erhält eine moderne, ästhetisch schöne Skulptur, die materiell durch den dazu gehörenden Koffer an Wert gewinnt. Der Ehrenpreisempfänger soll sich für Israel und Juden eingesetzt haben. Viele nette, gute und bekannte Menschen haben ihn dankbar angenommen:
Der weltweit bekannter Film- und Fernsehstar Iris Berben, der Bürgermeister der Freien und Hansestadt Bremen Hans Koschnick, der Geschäftsführer des Hotels “Holiday Inn” in Dresden Johannes Lohmeyer, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Jürgen Rüttgers, der Oberbürgermeister Aachens Jürgen Linden und die Präsidentin des Zentralrates der Juden Deutschlands Charlotte Knobloch. Zuletzt erhielt Hendryk M. Broder den Ehrenpreis 2011.
Daraufhin und deshalb verließen lokal bekannte Größen die DIG Aachen e.V. Viele Gründe wurden vorgetragen:
Broder sei islamophob, da er eine Familie kritisierte, die ihren Sohn „Heiligen Krieg“ nannte, was doch ein schöner eingängiger Name sei. Sie hätten ihn auch „Adolf“ nennen können nach dem Heiligen Krieger aus Duisburg. Seit Neuestem sei doch bekannt, dass Islamophobie der wahre Antisemitismus sei.
Broder benehme sich wie ein Moslem. Er kritisiert alle außer sich selbst. Wird er selber kritisiert, dann ist er beleidigt.
Broder hetze. Wo er auftaucht herrscht der Spaltpilz. Selbst die DIG Aachen e.V. sei davon befallen.
Broder schade der DIG Aachen e.V.
Broder unterscheide nicht zwischen „Islam“ und „Islamismus“.
Die DIG Aachen e.V. solle sich von Broder distanzieren.
Auch einige lokale unbekannte Juden mit sowjetischem Migrationshintergrund verließen die DIG Aachen e.V. wie einst die Sowjetunion, als Deutschland russische Juden als Wiedergutmachung nach Deutschland hereinließ. Ihnen sei der offene Kampf der Juden gegen Antisemitismus kulturell ungewohnt und somit unverständlich.
Letztendlich setzte sich unter den Verbliebenen der DIG Aachen e.V. der Konsens durch, den Ehrenpreis an Broder gutzuheißen, getragen von der Hoffnung, dass er ihn samt Koffer behalte.

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