Neue Beweise: Russische Buk schoss MH17 ab

Interessanter Artikel der Aachener Nachrichten – Stadtausgabe

Neue Beweise: Russische Buk schoss MH17 ab
Zwei Jahre nach der Flugzeug-Katastrophe über der Ostukraine wird der Bericht vorgelegt. Ermittler bewegen sich in einem politischen Minenfeld.

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29.09.2016

Neue Beweise: Russische Buk schoss MH17 ab

Zwei Jahre nach der Flugzeug-Katastrophe über der Ostukraine wird der Bericht vorgelegt. Ermittler bewegen sich in einem politischen Minenfeld.

Utrecht. Langsam schließt sich die Schlinge um die Verantwortlichen für den Abschuss der Passagiermaschine mit der Flugnummer MH17. Die internationalen Ermittler legten gestern in Nieuwegein bei Utrecht zahlreiche Beweise vor. Doch einen Haftbefehl gibt es noch nicht. Gut zwei Jahre nach der Katastrophe mit 298 Toten in der Ost-Ukraine werden die Grenzen der Ermittler deutlich.

„Es sind überzeugende und unwiderlegbare Beweise“, sagte der Chef der niederländischen Kriminalpolizei, Wilbert Paulissen. Die Ermittler kennen die Tatwaffe: eine russische Buk-Luftabwehrrakete. Sie wissen, woher sie kommt: Russland. Sie können bis auf den Quadratmeter genau die Stelle anweisen, von der aus am 17. Juli 2014 die Rakete abgefeuert worden war: ein Feld bei Perwomajske im Gebiet der pro-russischen Rebellen. Und sie wissen, dass das mobile Raketensystem danach wieder nach Russland zurück transportiert worden war.

Die Rakete explodierte in gut zehn Kilometer Höhe. Tausende kleine Metallteile bohrten sich von außen in die Boeing der Malaysia Airlines. Dann stürzte sie ab. Seit über zwei Jahren fordern die Angehörigen eine Antwort auf die Frage: Wer ist dafür verantwortlich? „Wir sind einen Schritt näher an der Wahrheit“, sagte Robby Oehlers. Seine 20-jährige Cousine und deren 23-jähriger Freund waren getötet worden.

Etwa 100 Personen haben die Ermittler im Visier, die am Buk-Transport beziehungsweise am Abschuss beteiligt gewesen sein sollen. Namen nennen sie nicht.

Fünf Länder beteiligen sich an der Untersuchung. Da die meisten der Opfer aus den Niederlanden kamen, hat das Land auch die Leitung übernommen. Täglich arbeiten 100 bis 200 Kriminalbeamte an diesem Fall. Sie untersuchten bisher fünf Milliarden Internetseiten, 500 000 Fotos, 150 000 abgehörte Telefongespräche, vernahmen 200 Zeugen. Es gibt viele Daten und Beweise: Satellitenaufnahmen, Informationen verschiedener Geheimdienste, Fotos und Videos.

Bei einer normalen Ermittlung wäre bei dieser Beweislage wohl längst ein Haftbefehl ausgestellt worden. Doch der Fall MH17 ist nicht normal. Seit Juli 2014 wütet um die Katastrophe ein Propagandakrieg. Russland und die Ukraine beschuldigen sich gegenseitig. Vor allem Moskau bringt immer wieder angeblich neue Beweise für die Schuld der Ukraine ins Spiel. „Die beweisen aber gar nichts“, sagte der Chefermittler Paulissen.

Die Ermittler bewegen sich in einem politischen Minenfeld und müssen eine lückenlose Beweiskette vorlegen – auch um politischen Vorwürfe den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sie müssen zweifelsfrei die Schuldfrage beweisen: Wer hat auf den Knopf gedrückt? War auf den Radarbildern deutlich zu sehen, dass es eine zivile Maschine war? Wer konnte überhaupt das komplizierte Waffensystem bedienen? (dpa)

„Wir sind einen Schritt näher an der Wahrheit.“

Robby Oehlers, Angehöriger eines Opfers

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