„Polizei ignorierte NSU-Spur“

 

Mo, 26. Nov. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Titel Aachen / Seite 1

„Polizei ignorierte NSU-Spur“

WDR: NRW-Fahnder gingen Hinweisen nach Kölner Anschlag 2004 nicht nach

Köln. Die nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden haben dem WDR zufolge offenbar konkrete Hinweise auf einen rechtsextremistischen Hintergrund des Kölner Nagelbombenanschlags vom Juni 2004 nicht verfolgt. Das zeigten bislang vertrauliche Unterlagen der Ermittlungsbehörden, erklärte das WDR-Politmagazin Westpol. Die Unterlagen lägen dem Magazin vor.

Demnach hatten sogenannte Profiler von Landes- und Bundeskriminalamt schon kurz nach dem Anschlag in der von vielen Zuwanderern bewohnten Keupstraße mit ihren zahlreichen Geschäften auf ein ausländerfeindliches Motiv der Täter hingewiesen. Experten des Bundesamts für Verfassungsschutz hätten Parallelen zu einem Sprengstoffanschlag in London aufgezeigt, der von Rechtsextremisten verübt worden war, hieß es.

Die Kölner Polizei und das nordrhein-westfälische Innenministerium hätten entschieden, diese Spuren nicht mit Nachdruck zu verfolgen und Erkenntnisse über einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Öffentlichkeit systematisch zu verschweigen, kritisierte das Magazin. So habe das Düsseldorfer Innenministerium das Landeskriminalamt schon wenige Stunden nach dem Anschlag angewiesen, den Fall nicht weiter als „terroristischen Anschlag“ einzustufen. Stattdessen gingen die Ermittler von einem Fall organisierter Kriminalität aus.

Kritik am damaligen NRW-Innenminister Fritz Behrens (SPD) äußerte erneut der zuständige NSU-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages, der Behrens am Donnerstag befragt hatte. CDU-Obmann Clemens Binninger kritisierte ein weiteres Mal nun auch dem WDR-Magazin gegenüber, dass weder der Innenminister noch der damalige Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) sich zu dem Anschlag öffentlich geäußert hätten.

Am 9. Juni 2004 hatte ein Sprengsatz in der Keupstraße im Kölner Stadtteil Mülheim 24 Menschen verletzt. Damals vermutete die Polizei einen Streit zwischen türkischen und kurdischen Geschäftsleuten als Motiv. Inzwischen wird der Anschlag der rechtsextremen Terrorgruppe NSU zugerechnet. (epd)

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