Putin auf der Krim

Mi, 19. Aug. 2015
Aachener Nachrichten – Stadt / AN Politik / Seite 4

Putin auf der Krim

Prozess gibt Einblick in Arbeit der Internet-Trolle

Sewastopol. Im Ukraine-Konflikt hat Kremlchef Wladimir Putin der prowestlichen Führung in Kiew die Schuld für die Gewalteskalation gegeben und vor neuen Kämpfen mit pro-russischen Separatisten gewarnt. Statt ihr Kriegsgerät zurückzuziehen, konzentriere die ukrainische Armee ihre Kräfte im Donbass, behauptete der russische Präsident gestern bei einem Besuch auf der Halbinsel Krim.

Der Minsker Friedensplan sieht vor, dass die Konfliktparteien Panzer und Artillerie von der Front abziehen. Beobachtern zufolge wurde dies bislang nicht vollständig umgesetzt. Nach zuletzt intensiven Gefechten in der Ostukraine berichtete das Militär in Kiew auch gestern von mindestens einem getöteten Soldaten. Zudem wurden nach Polizeiangaben mindestens zwei Zivilisten verletzt.

Kritik des ukrainischen Staatschefs Petro Poroschenko an seinem Besuch auf der 2014 von Russland einverleibten Krim wies Putin zurück. Die Menschen auf der Schwarzmeerhalbinsel hätten ihre Zukunft selbst bestimmt: „Sie haben für die Wiedervereinigung mit Russland gestimmt. So ist das. Punkt.“ Die Ukraine und der Westen werfen Russland einen Bruch des Völkerrechts vor.

Ein spektakulärer Gerichtsprozess in Russland hat unterdessen Einblicke in die geheime Arbeit von kremltreuen sogenannten Troll-Fabriken geliefert. Die Aktivistin Ljudmilla Sawtschuk hatte nach einer Kündigung gegen ihren Arbeitgeber geklagt, der nach ihrer Darstellung in St. Petersburg Trolle beschäftigt. Trolle verbreiten in sozialen Netzwerken und Internetportalen Propaganda, indem sie etwa kritische Berichte westlicher Medien im Ukraine-Konflikt mit kremlfreundlichen Kommentaren torpedieren.

Ein russisches Gericht gab einer Forderung Sawtschuks nach Schadenersatz in der symbolischen Höhe von einem Rubel (etwa 0,01 Euro) statt, wie die Zeitung „Kommersant“ berichtet. Sawtschuk zufolge arbeiten die Trolle in zwölfstündigen Schichten und müssen pro Tag mindestens fünf Texte schreiben sowie einen Internet-Blog mit einer erfundenen Identität unterhalten. (dpa)

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