„Sohn, schaff alles raus, was im Haus ist“

Mi, 26. Feb. 2014
Aachener Nachrichten – Stadt / AN Politik / Seite 4

„Sohn, schaff alles raus, was im Haus ist“

Telefonat mitgeschnitten? Korruptionsaffäre in der Türkei weitet sich aus.

Ankara. Angebliche Mitschnitte eines Telefongesprächs zwischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und seinem Sohn haben die unter Korruptionsverdacht stehende Regierung in der Türkei weiter in Misskredit gebracht. Erdogan lief gestern Sturm gegen den „widerwärtigen Angriff“ auf seine Person. Die Opposition forderte Erdogans Rücktritt.

Der „heimtückische“ Angriff werde nicht ungestraft bleiben, sagte Erdogan vor Abgeordneten seiner AKP-Partei im Parlament. „Wir werden niemals klein beigeben“, rief er unter dem Applaus seiner Anhänger, „nur das Volk kann darüber entscheiden, uns wegzuschicken, niemand sonst“.

In den Aufnahmen soll es darum gehen, wie Unmengen Geld vor der Staatsanwaltschaft versteckt werden könnten. Angeblich ist Erdogans Stimme zu hören, die sagt: „Sohn, was ich Dir sagen will ist, schaff alles raus, was im Haus ist.“ Sein Sohn Bilal soll entgegnet haben, er habe nur das Geld, das ihm, seinem Vater, gehöre. „Das meine ich doch“, soll der Ministerpräsident geantwortet haben. An anderer Stelle ist angeblich Bilal mit den Worten zu hören, dass es „noch 30 weitere Millionen Euro“ gebe.

Schon am Montagabend, als die angeblichen Gespräche aufgetaucht waren, hatte Erdogans Büro von einer Montage gesprochen, die Aufnahmen seien „vollkommen unwahr“ und hätten keinen Bezug zur Wirklichkeit. Erdogan selbst machte am Montag wenig überraschend wieder die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen verantwortlich, hinter den Aufnahmen zu stecken, und warf ihm die Inszenierung eines „unmoralischen Theaterstücks“ vor. (afp)

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