Stolberger erteilen klare Abfuhr

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Di, 10. Apr. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / AN Politik / Seite 4

Stolberger erteilen klare Abfuhr

Der zwölfte Aufmarsch von Rechtsextremen innerhalb von fünf Jahren verläuft unspektakulär. Die Gegendemonstranten sind deutlich in der Mehrheit. Polizei hat Rangeleien der extremen Lager im Griff.

Stolberg. Es ist der zwölfte Aufmarsch innerhalb von fünf Jahren, mit dem die rechtsextreme Szene den gewaltsamen Tod eines 19-jährigen Stolbergers am 4. April 2008 für ihre Propaganda zu instrumentalisieren versucht. Und es ist die erste Kundgebung, die nicht zum Tatort auf die Birkenganstraße führt. Dort steht nur die Polizei.

Zwei Gegenkundgebungen waren ebenfalls für diesen Ort angemeldet. Im Ausgleich der Interessen und zur Vermeidung von Gewalt neutralisierte die Polizei den Tatort. Erneut gelang des dagegen dem bürgerlichen Stolberger „Bündnis gegen Radikalismus“, der rechten Szene den Marsch durch die Innenstadt zu verwehren. Rund 900 Stolberger und Freunde aus der ganzen Städteregion machten friedlich deutlich, dass „Stolberg keinen Platz für Nazis“ hat. Mit Ansprachen, Konzerten und dem Entrollen des weiter verlängerten Solidaritätsbanners im Kampf gegen die rechtsextremistische Bedrohung setzten sie erneut ein eindrucksvolles Zeugnis für Menschlichkeit und Toleranz.

Der so genannte Trauermarsch der Rechtsextremisten führte zügig durch die Außenbezirke; mit 260 Teilnehmern kamen weniger als die von den Organisatoren erwarteten 350. Bereits kurz nach 16 Uhr blies die rechte Szene zum Rückzug. Dabei kam es nach Polizeiangaben in einem Regionalexpress zwischen Köln und Leverkusen zu einem Zwischenfall, als etwa 100 rechtsgerichtete Personen etwa zehn Angehörige der linken Szene attackierten. In Leverkusen holten Bundespolizeikräfte die Tatverdächtigen aus dem Zug und stellten die Personalien fest.

In Stolberg hatten am Mittag 97 Personen aus dem linken Spek-trum die Gleise der Euregiobahn besetzt. Die Polizei löste die Blockade auf und nahm 80 Teilnehmer zur Verhinderung weiterer Straftaten in Gewahrsam. Leicht verletzt wurde eine Polizeibeamtin bei einem Gerangel während einer Spontankundgebung des Blockierer-Bündnisses am Hauptbahnhof; der Tatverdächtige wurde in Gewahrsam genommen.

Die Versuche von 110 Linksautonomen, die Absperrungen zu überwinden und an den Aufzug der Rechten zu gelangen, wurden von der Polizei erfolgreich unterbunden. Bereits am Mittwoch waren lediglich 59 Teilnehmer der rechten Szene zu einem Fackelmarsch durch den Außenbereich gekommen; den Weg in die Innenstadt verwehrten 250 Teilnehmer einer Veranstaltung des Bündnisses gegen Radikalismus. (-jül-)

Schlecht mobilisiert: Einige der rechten Organisatoren sitzen in Haft

Der Organisator der rechtsextremen Aufmärsche, Ingo Haller (Niederzier), hatte deutlich mehr als die erschienenen Teilnehmer angemeldet. Grund für die mangelnde Teilnahme war eine schlechte Mobilisierung, bedingt durch die Inhaftierung von Mitorganisatoren wie Axel Reitz (Pulheim), Paul B. (Köln) und Sven Skoda (Düsseldorf, Bad Neuenahr).

Als Redner fungierten am Samstag Haller, das Mitglied der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), André P. (Aachen), die Neonazis Christian Worch (Parching) und Dieter Riefling (Hildesheim), der NPD-Kader Manfred Breidbach (Düsseldorf) sowie die Neonazis Michael B. (Dortmund) und Kevin K. (Wuppertal). Anders als in den Vorjahren, als die Polizei Strafanzeigen gegen Redner fertigen musste, waren die Reden 2012 weniger radikal. Haller wetterte dennoch gegen die „Kanacker-Bande“, aus deren Mitte ein Migrant einen 19-Jährigen erstochen hatte. Riefling nannte die Zuwanderung einen „Rassenkrieg, den die Welt bis heute noch nicht gesehen“ habe. Dahinter stünden auch die USA. (mik)

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