USA-Iran: Neue Töne im Atomstreit

 

Mo, 22. Okt. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / AN Politik / Seite 4

USA-Iran: Neue Töne im Atomstreit

Spricht Teheran bald direkt mit Washington?

Von Thomas Spang

Washington. Erstmals in dem seit Jahren schwelenden Atomstreit zeichnet sich ein diplomatischer Ausweg ab. Die USA und Iran verständigten sich prinzipiell auf direkte Verhandlungen. Das Weiße Haus stellt jedoch klar, es gebe keine abschließende Entscheidung über den Beginn von Direktgesprächen. „Es ist nicht wahr, dass die Vereinigten Staaten direkten Verhandlungen nach den Wahlen zugestimmt haben“, erklärte Sprecher Tommy Vietor. Laut „New York Times“, die exklusiv über den Durchbruch berichtet, blieb zudem unklar, ob der geistliche Führer des Gottesstaates Ayatollah Ali Khamenei seinen Segen für einen solchen Schritt gegeben hat.

Während Washington prinzipiell Bereitschaft signalisierte, direkten Gesprächen eine Chance zu geben, will es in jedem Fall verhindern, dass Teheran einfach auf Zeit spielt, um sein Atomprogramm ungestört weiter voranzutreiben.

Ein Krieg gegen Iran wäre bei den nach einem Jahrzehnt Kriegen im Irak und in Afghanistan kriegsmüden Amerikanern alles andere als populär. Zudem gibt es im traditionellen außenpolitischen Establishment der Republikaner erhebliche Vorbehalte. „Es wäre absolut unverantwortlich, in den Krieg zu ziehen, ohne es anders versucht zu haben,“ meint etwa der Realpolitiker Nicholas Burns, der Irans Atomprogramm für die kniffligste sicherheitspolitische Frage der USA hält.

Sanktionen scheinen zu wirken

Unabhängige Analysten meinen, die erstmalige Verhandlungsbereitschaft Teherans sei bereits ein Ergebnis der schmerzhaften Sanktionen. Iran muss massive Einnahmeverluste aus dem Ölgeschäft hinnehmen, sitzt auf großen Rohölreserven, die es nicht verschiffen kann, und erlebt in diesen Wochen einen Zusammenbruch seiner Währung. Iran hatte in den zurückliegenden Jahren hartnäckig direkte Gespräche mit den USA abgelehnt, weil es keine einheitliche Linie innerhalb der iranischen Führung gab. Mit dem bevorstehenden Abtritt Mahmoud Ahmedinejads könnte sich das nun ändern.  ▶ Kommentar

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