Vermummte dringen in Piraten-Büro ein

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Mi, 4. Apr. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokaltitel Aachen / Seite 17

Vermummte dringen in Piraten-Büro ein

Überfall mit wahrscheinlich rechtsradikalem Hintergrund. Am Samstag Demonstration gegen Neonazi-Aufmarsch in Stolberg.

Von Heiner Hautermans

Aachen. Jetzt hat es auch die Aachener Piraten erwischt: Am Montagabend, kurz vor Mitternacht, stürmten zwei Vermummte das Parteibüro am Hirschgraben, schüchterten zwei noch anwesende Mitarbeiter ein und rissen ein Plakat vom Schaufenster, das für Samstag, 7. April, zu einer Demonstration aufruft, für „ein nazifreies Stolberg“. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und Spuren gesichert. Auch wurde die Ermittlungsgruppe Remok (Rechts motivierte Kriminalität) eingeschaltet.

Das Büro war noch besetzt, weil die Piraten noch keine Strukturen wie andere Parteien haben und für die Landtagswahl in jedem Wahlkreis 100 Unterstützer-Unterschriften sammeln müssen. Das ist gar nicht so einfach, die Befürworter müssen beispielsweise 18 Jahre alt und wahlberechtigt sein. Mitglied Bertram Eckert: „Das ist Stress pur.“Außerdem fand am Montagabend eine Sitzung des Acta-Bündnisses statt.

Gegen 23.45 Uhr, schildert Udo Pütz, ein weiterer Ehrenamtler, seien drei junge Männer zunächst an dem Büro vorbeigegangen. Zwei von ihnen seien dann vermummt hereingekommen. Sie trugen eine Sturmhaube, bei denen sogar die Augen durch ein Netz verdeckt waren und Handschuhe. Pütz: „Man erkennt gar nichts mehr.“ Bekleidet gewesen seien sie mit Kapuzenpullis einer Designermarke, die als Erkennungszeichen der Rechten gilt und deren Tragen unter anderem im Deutschen Bundestag sowie einigen Fußballstadien verboten ist. Laut Polizeibericht hatten sie auch einen Eimer mit angerührtem Kleister dabei.

Einer sei in der Eingangstür stehen geblieben, der andere sei zu dem Plakat gegangen, habe es vom Schaufenster abgerissen und die darunterliegenden Flyer mitgenommen. Pütz: „Die haben kein einziges Wort gesagt. Der ganze Vorgang dauerte nicht einmal eine Minute.“

Zu der Zeit hätten sich noch zwei junge Männer, beide um die 20 Jahre alt, im Büro befunden, die sich über die Dreistigkeit des Vorgehens wunderten: „Die beiden Piraten standen unter Schock, ihnen ist aber ansonsten nichts geschehen.“ Die Polizei sei sehr schnell mit zwei Streifenwagen zur Stelle gewesen und habe den Fall aufgenommen. Anschließend sei noch ein Beamter der Ermittlungsgruppe Remok vorbeigekommen.

Weshalb das Überfallkommando den Kleister dabeihatte, ist auch für Paul Kemen, Sprecher der Aachener Polizei, ein Rätsel: „Wir haben in der Umgebung nichts festgestellt, was mit dem Einbruch in Zusammenhang stehen könnte.“ Die Art des Vorgehens, auch die bereitgehaltene Vermummung legt für ihn nahe, dass „es sich weniger um eine Spontanaktion gehandelt hat, sondern um eine geplante Tat“.

Die Linken, die in den letzten Jahren mehrfach ungebetenen Besuch von Rechtsradikalen – bis hin zum Beschmieren des Büros mit Hakenkreuzen – bekommen hatten, erklärten sich mit den Piraten gestern solidarisch und erklärten ihre Empörung über die Aktion. „Ihr steht nicht allein, gegen die Angriffe des Nazimobs halten wir zusammen. Lasst uns am Samstag in Stolberg ein deutliches Zeichen setzen.“ Auch Grüne sind in der Vergangenheit schon heimgesucht worden, ebenso Einzelpersonen, das Autonome Zentrum oder antifaschistische Organisationen. Bei den Linken wurde bereits vier Mal die Scheiben eingeschlagen.

Mit dem Zug

Das Bündnis Stolberg 2012 ruft wie im vergangenen Jahr wieder dazu auf, sich den „dort aufmarschierenden Faschisten zu widersetzen“. Um 9.30 Uhr ist Abfahrt vom Hauptbahnhof Aachen aus.

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