Ausstellung erinnert an die Machtergreifung vor 80 Jahren

 

Do, 24. Jan. 2013
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokales / Seite 21

Ausstellung erinnert an die Machtergreifung vor 80 Jahren

Die Volkshochschule zeigt, wie die Nationalsozialisten auch in Aachen Fuß fassten. Eröffnung am 28. Januar mit Vortrag.

Von Georg Dünnwald
und Kristina Roeder

Aachen. „Göring, Ehrenbürger von Aachen“, so steht es in fetten Fraktur-Lettern auf dem Zeitungstitel. Die Schlagzeile stammt aus dem Jahr 1933 und dokumentiert, wie schnell die Nationalsozialisten in Aachen Fuß fassten.

80 Jahre nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 richtet die Volkshochschule Aachen (VHS) eine Ausstellung aus, die zeigen soll, wie sich auch in Aachen der Nationalsozialismus breitmachte und aus einer einst erz­katholischen Stadt eine Kommune von vielen überzeugten Nazis machte. Eine Stadt, in der Willkür herrschte, Juden verfolgt und ermordet wurden, in der auch Sinti und Roma und Angehörige anderer Minderheiten ausgegrenzt, gefoltert und getötet wurden. Dabei sah ein Großteil der Bevölkerung gleichgültig, applaudierend oder manchmal auch ängstlich zu.

Damit diese Zeit nie vergessen wird, haben die beiden Volkshochschulreferentinnen Carmelita Lindemann und Yvonne Hugot-Zgodda viel Material aus VHS-Beständen oder von Privatpersonen gesichtet, bewertet und zusammengestellt und auf 18 Schau­tafeln, herausgestellt. Die Ausstellung konzentriert sich dabei vor allem auf das Jahr 1933, nur eine befasst sich mit der Zeit davor, als hohe Arbeitslosigkeit viele Menschen verzweifeln ließ. Eine weitere Stellwand befasst sich mit der zerbombten Stadt, die am 21. Oktober 1944 von den US-Truppen erobert wurde.

„Was genau spielte sich in Aachen und dem Rheinland zu dieser Zeit ab? Warum war Aachen zunächst keine Hochburg der Nationalsozialisten, und wie haben diese hier die Machtergreifung umgesetzt?“ Das sind die Leitfragen der Ausstellung, mit denen sich Carmelita Lindemann und Yvonne Hugot-Zgodda beschäftigt haben. Ihr Ziel ist es, das Jahr 2013 zu nutzen, um das Thema des Nationalsozialismus zu vertiefen und an die Öffentlichkeit zu bringen. „Das Thema soll nicht in Vergessenheit geraten.“ Denn, so die VHS-Mitarbeiterin im Bereich Politische Bildung: „Kürzlich sagte mir einer ‚Mir reicht es, ich will über diese Nazizeit nichts mehr hören‘. Deshalb ist die Ausstellung sowohl für alle erwachsenen Aachener, als auch Schulklassen wichtig.“ Schulen können die Ausstellung sogar ausleihen. „Sie kann praktisch in einem Pkw transportiert werden, weil alle Tafeln faltbar sind“, erklärt Carmelita Lindemann.

Zwei Wochen lang ist die Ausstellung in der VHS zu betrachten, danach können Schulen sie kostenlos ausleihen. Zur Eröffnung am Montag, 28. Januar, um 19 Uhr gibt es einen Vortrag eines Referenten des Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in der Volkshochschule, Peterstraße 21-25.

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