Gustloff-Affäre 1936: Drei Kugeln gegen den Nazi-Terror

SPIEGEL ONLINE, 03.02.2016

Vor 80 Jahren erschoss der jüdische Student David Frankfurter in Davos den NSDAP-Funktionär Wilhelm Gustloff. Die Nazis starteten einen Propagandafeldzug, der die Beziehungen zur Schweiz schwer belastete.

Von Jasmin Lörchner

Den vollständigen Artikel erreichen Sie im Internet unter der URL http://www.spiegel.de/einestages/gustloff-affaere-1936-attentat-auf-schweizer-nazi-gauleiter-a-1075016.html

Späte Ehre für einen „besonderen Aachener“

Fr, 29. Jan. 2016
Aachener Nachrichten – Stadtausgabe / Lokales / Seite 22

Späte Ehre für einen „besonderen Aachener“

Stadt feiert den 100. Geburtstag von Fredy Hirsch, der im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau jüdische Kinder nicht im Stich ließ. Couven-Gymnasium würdigt ehemaligen Schüler mit einer Gedenkfeier. Zeitzeugen eingeladen.

Aachen. Fredy Hirsch? Nie gehört. So geht es wohl den meisten Aachenern, was Oberbürgermeister Marcel Philipp entsprechend bedauerlich findet. Für ihn ist Hirsch ein „besonderer Aachener“. Am 11. Februar würde er 100 Jahre alt.

Aus diesem Anlass soll der Sohn der Stadt, der am 8. März 1944 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet wurde, gebührend gewürdigt werden. Er habe „in diesem Ozean der Brutalität für etwas Menschlichkeit gesorgt“, erklärt der OB. In seiner Heimatstadt war das lange nicht bekannt. Das Gedenkbuchprojekt für die Opfer der Shoah aus Aachen war irgendwann auf Fredy Hirsch gestoßen. Der Verein, der die Lebensgeschichten und Schicksale der Aachener recherchiert, die in der Nazizeit als Juden verfolgt wurden, hatte von Überlebenden Hinweise auf den Metzgersohn von der Neupforte bekommen.

Der hatte sich früh an der jüdischen Pfadfinderbewegung beteiligt und leitete ab 1933 den Jüdischen Pfadfinderbund Deutschland in Düsseldorf. Laut OB Philipp galt er seinen Zeitgenossen als „charismatischer Jugendleiter“. 1935 suchte Hirsch Zuflucht in der Tschechoslowakei, doch sicher war er dort nicht.

Im November 1941 wurden jüdische Männer von Prag aus nach Theresienstadt zum Aufbau des dortigen Ghettos deportiert. Hirsch kümmerte sich um die jüdischen Kinder in Theresienstadt und später – nach ihrer Deportation ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau – im dortigen sogenannten Theresienstädter Familienlager. In dieser „Hölle“ habe er „den Kindern Lebensmut vermittelt“, erklärt Philipp. Es sei ihm gelungen, die Lebensumstände zu verbessern und im Lager eine Art „kulturelles Zentrum“ einzurichten.

Um Hirschs 100. Geburtstag zu feiern, hat das Gedenkbuchprojekt einige seiner Wegbegleiter nach Aachen eingeladen. So soll etwa die Tochter seines Bruders aus Israel anreisen, zudem kommen Zeitgenossen, die mit Hirsch zusammen in Theresienstadt waren, aus Prag und Wien. Sie werden am 12. Februar von Schülern des Couven-Gymnasiums befragt, weil diese Schule eine besondere Beziehung zu Fredy Hirsch hat. Er besuchte von 1926 bis 1931 die Hindenburgschule. Diese damalige Oberrealschule trägt seit 1945 den Namen Couven-Gymnasium.

Am 12. Februar wird die Mensa des Gymnasiums bei einem Festakt zum „Fredy-Hirsch-Forum“, auf der Gästeliste steht dabei neben der nordrhein-westfälischen Schulministerin Sylvia Löhrmann auch der Schriftsteller Dirk Kämper, der Hirschs Geschichte in einer Biografie dargestellt hat.

Mit einer Gedenkfeier erinnert auch die Jüdische Gemeinde an Fredy Hirsch. Das Stadtarchiv widmet ihm die Archivalie des Monats. Gezeigt werden Bilder seines Geburtshauses an der Neupforte und der alten Hindenburgschule an der Kármánstraße, die heute die Philosophische Fakultät der RWTH Aachen beherbergt. (wb)

Wo bleibt das Willkommen gegenüber unserer Kultur?

Nachrichten-Artikel vom 19.01.2016 15:56 Wir haben den Samariter in uns entdeckt und die Grenzen geöffnet. Solche Gastfreundschaft ist unehrlich, verleugnet man die eigene Identität. Jetzt wähnen sich viele Deutsche fremd im eigenen Land. Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article151193321/Wo-bleibt-das-Willkommen-gegenueber-unserer-Kultur.html

Die Gespenster der Vergangenheit suchen uns heim

Nachrichten-Artikel vom 19.01.2016 12:28 Deutschland, deine Ängste: Kommst du mir mit Kritik an grenzenloser Zuwanderung, komm ich dir mit der Nazikeule. Der Umgang mit der Flüchtlingskrise wird von der deutschen Vergangenheit bestimmt. Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/politik/deutschland/article151133521/Die-Gespenster-der-Vergangenheit-suchen-uns-heim.html

Saddam Husseins gefährliche Schrottraketen

Nachrichten-Artikel vom 18.01.2016 14:16 Irakische Scud-Raketen flogen ab dem 18. Januar 1991 Richtung Tel Aviv. Sie sollten die Regierung in Jerusalem zum Gegenschlag provozieren. Beinahe wäre das Kalkül des Diktators aufgegangen. Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/geschichte/article151121736/Saddam-Husseins-gefaehrliche-Schrottraketen.html

So wurden dumme Bomben "smart"

Nachrichten-Artikel vom 12.01.2016 08:32 Im Zweiten Golfkrieg überraschte die Präzision amerikanischer Waffen. Saddam Hussein hatte mit Flächenbombardements gerechnet, nicht mit lasergelenkten Hightech-Konstruktionen. Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/geschichte/article150879526/So-wurden-dumme-Bomben-smart.html

93-jähriger Auschwitz-Wachmann wird angeklagt

Mo, 14. Dez. 2015
Aachener Nachrichten – Stadt / Region AN Titel / Seite 9

93-jähriger Auschwitz-Wachmann wird angeklagt

Späte Aufarbeitung: Mitte Februar beginnt der Prozess gegen den Mann aus Lippe. Vorwurf: Beihilfe zum Mord in 170 000 Fällen.

Von Florentine Dame

Detmold/Dortmund. Für Auschwitz-Überlebende und ihre Nachkommen ist es ein spätes aber wichtiges Zeichen: Das Landgericht Detmold macht einem Mann den Prozess, der vor mehr als 70 Jahren Wachmann im Vernichtungslager Auschwitz gewesen sein soll. Die nordrhein-westfälische Zentralstelle für NS-Verbrechen bei der Staatsanwaltschaft Dortmund wirft dem heute 93-Jährigen vor, zwischen 1943 und 1944 am Massenmord in dem KZ beteiligt gewesen zu sein.

Nach Erkenntnissen der Dortmunder Ermittler soll der damalige Unterscharführer der SS 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz versetzt worden sein. Der Anklage zufolge wachte er über die Ankunft jüdischer Deportationsopfer, über Massenerschießungen, war beteiligt an der Selektion kranker und schwacher Gefangener. Beihilfe zum Mord in mehr als 170 000 Fällen wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Der Mann aus Lippe habe als Wachmann die vieltausendfachen Tötungen der Lagerinsassen fördern oder zumindest erleichtern wollen, wirft ihm die Anklage weiter vor. Ihm sei bewusst gewesen, dass das System Vernichtungslager nur funktionieren konnte, wenn die Opfer durch Gehilfen wie ihn bewacht wurden.

„Alles, was einen gewissen Ausgleich schafft zur jahrzehntelangen Untätigkeit der Justiz, ist für die Überlebenden eine gute Nachricht“, sagt Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees. „Das Verfahren wird weltweit Aufmerksamkeit erregen – als gutes Signal, dass Aufarbeitung nach so langer Zeit doch noch möglich ist.“ Große Aufmerksamkeit wird dem Prozess auch deshalb zuteil, weil er mehr als 70 Jahre nach Kriegsende einer der letzten sein wird, in dem die Täter von damals zur Verantwortung gezogen werden können.

In jüngster Zeit waren einige hochbetagte NS-Kriegsverbrecher für schuldig erklärt worden, weil sie ihren Teil zum Funktionieren der Tötungsmaschine beitrugen. Erst im Sommer hatte das Landgericht Lüneburg in einem noch nicht rechtskräftigen Schuldspruch Oskar Gröning als „Buchhalter von Auschwitz“ zu vier Jahren Haft verurteilt.

In den Prozessen gehe es um Genugtuung und eine längst überfällige Korrektur einer empörenden Rechtsauffassung, erklärt Werner Renz. Er ist Mitarbeiter des Fritz Bauer Instituts, das sich mit der Geschichte des Holocaust und dessen Aufarbeitung beschäftigt. „Viele Täter des Verwaltungsapparats oder Wachleute von damals sind nie belangt worden“, sagt er. Erst mit den Ermittlungen und Prozessen der vergangenen Jahre habe sich das geändert. „Für die allermeisten ist es zu spät.“

Als ein Dammbruch gilt das Münchener Urteil gegen den NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk. Während der Vorermittlungen gegen den Aufseher des Vernichtungslagers Sobibor definierte die NS-Fahndungsstelle in Ludwigsburg die Frage der Beihilfe neu: Demnach ist jeder zu belangen, der in einem Konzentrationslager dazu beigetragen hat, dass die Tötungsmaschinerie funktionierte – egal ob direkt als Befüller der Gaskammern oder indirekt etwa als Koch.

Der Fall Heinrich Boere am Aachener Landgericht

Am Landgericht Aachen wurde ein Fall um den deutsch-niederländischen Kriegsverbrecher Heinrich Boere verhandelt. Als Mitglied der SS gehörte er während der deutschen Besetzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg dem sogenannten Sonderkommando Silbertanne an, das im Rahmen von Vergeltungsaktionen den Widerstand bekämpfte und unbewaffnete Zivilisten erschoss.

Boere wurde 2010 deshalb wegen dreifachen Mordes verurteilt. Am 15. Dezember 2011 trat Boere – im Alter von 90 Jahren – seine Haftstrafe an. Er starb im Dezember 2013.

Die SPD verhinderte beizeiten Hitlers Ausweisung

Nachrichten-Artikel vom 27.11.2015 08:43 Bayerns konservativer Innenminister wollte den NS-„Führer“ 1922 abschieben. Warum der SPD-Chef dies ablehnte und welche Konsequenzen Hitler später daraus zog, zeigt eine neue Studie. Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article149328924/Die-SPD-verhinderte-beizeiten-Hitlers-Ausweisung.html

Kommentar: Ob die SPD diesmal gegenüber radikalen Moslems die notwendigen Konsequenzen ziehen wird? Ich bezweifle dies.

So geheim war Adenauers Geheimarmee wirklich

Nachrichten-Artikel vom 13.05.2014 15:15 Angeregt durch eine Veröffentlichung der BND-Historikerkommission, wird über die Frühphase westdeutscher Verteidigungspolitik spekuliert. Allerdings ist das Wesentliche daran längst bekannt. Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/geschichte/article127957850/So-geheim-war-Adenauers-Geheimarmee-wirklich.html

Der Beschützer und Retter der Kinder im KZ

Do, 12. Nov. 2015
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokales / Seite 19

In seinem Buch würdigt Dirk Kämper das Leben von Fredy Hirsch, der in Auschwitz-Birkenau umkam. Neue Forschungsergebnisse vorgestellt.

Von Lothar Stresius

Aachen. Jude sein und homosexuell – das kam für einen Deutschen während der Zeit des Nationalsozialismus einem zweifachen Todesurteil gleich. Auf den 1916 in Aachen geborenen und 1944 in Auschwitz-Birkenau umgekommenen Fredy Hirsch traf beides zu. Um diesen Aachener Bürger nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hatte Oberbürgermeister Marcel Philipp am 9. November eine interessierte Öffentlichkeit in die
Synagoge eingeladen.

Dort stellte der Autor Dirk Kämper sein in diesem Jahr erschienenes Buch über Hirsch vor. Der Oberbürgermeister und der Autor machten deutlich, wie erinnerungswürdig der Lebensweg dieses Aachener Juden ist. Marcel Philipp erwähnte das Treffen ehemaliger jüdischer Mitbürger 1992 in Aachen, bei dem Zeitzeugen sich an den Einsatz Fredy Hirschs für sie im Konzentrationslager erinnerten.

Dirk Kämper beschreibt in seinem Buch den Lebensweg Hirschs in einer Mischung aus historischer Darstellung und Erzählung. Der junge Fredy Hirsch engagiert sich früh in der jüdischen Pfadfinderbewegung, wo er das lernt, was er später innerhalb der jüdischen Selbstverwaltung in Auschwitz-Birkenau als Leiter des Kinderblocks für überlebenswichtig hält: sportliche Aktivität, Disziplin, Ordnung.

Überlebensstrategien

Von Aachen geht sein Lebensweg über verschiedene Stationen nach Theresienstadt und Auschwitz-Birkenau. Dort betreut er die Kinder des Lagers. Er hält sie zu strenger Hygiene an, weil Krankheiten für die Nazis ein willkommener Anlass zur Tötung waren. Als Betreuer der Kinder hatte er Kenntnis und Zugriff auf von den Nazis erstellten Selektionslisten. Er konnte auf diese Weise so manches Kind retten. In den sechs Monaten in Birkenau ist kein Kind des Kinderblocks gestorben. Viele der damaligen Kinder verdanken ihr Überleben Fredy Hirsch.

Dirk Kämper fasst seine Recherche über Fredy Hirsch so zusammen: Er war eine charismatische Persönlichkeit, die seinen Kindern einiges abverlangte, aber ihnen damit auch half, Überlebensstrategien zu entwickeln. Die Kinder waren „voller Respekt vor dem Mann, der in ihrem Leben fast alles ersetzt, was ihnen genommen wurde: Eltern, Gott und Hoffnung“.

Gift führte zum Tod

Kämper korrigiert die „verfälschten Darstellungen“ über Fredy Hirschs Lebensende. Am Ende stand kein Suizid. Ihm wurde Gift verabreicht, das zum Tode führte. Nicht von den Nazis wurde er getötet, sondern von Mithäftlingen, die auf diese Weise einen Aufstand einer Widerstandsgruppe innerhalb des Lagers verhindern wollten. Dirk Kämper sieht sich als Teil einer Bewegung, die mit Hilfe neuer historischer Erkenntnisse eine revidierte „Fredy-Hirsch-Story“ verfassen möchte.

Erste Ergebnisse der Erinnerungsarbeit in Aachen sind zu verzeichnen. Unter den Zuhörern saßen Schüler des Couven Gymnasiums, die mit zwei Lehrern für 2016 ein Projekt über ihren ehemaligen Mitschüler Fredy Hirsch planen. Dieser besuchte die Hindenburgschule, die ab 1945 Couven Gymnasium hieß. Er wäre bald 100 Jahre alt geworden.

Dirk Kämper: Fredy Hirsch und die Kinder des Holocaust. Die Geschichte eines vergessenen Helden aus Deutschland, 2015 Verlag Orell Füssli