Wie wir wieder zu Barbaren wurden

Nachrichten-Artikel vom 26.11.2014 08:34 Als der Zweite Weltkrieg endete, waren die Grausamkeiten längst nicht vorbei. Hunger, Rache, Vertreibung: Keith Lowe hat das Elend Europas in einem Monumentalwerk zusammengetragen. Über eine Zumutung. Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article134715222/Wie-wir-wieder-zu-Barbaren-wurden.html

Nichtangriffspakt: Putin verteidigt Hitler-Stalin-Pakt

SPIEGEL ONLINE, 07.11.2014

Bei einer Historikerveranstaltung in Moskau hat Wladimir Putin den Hitler-Stalin-Pakt gerechtfertigt: Der sei keine schlechte Idee gewesen.

Den vollständigen Artikel erreichen Sie im Internet unter der URL http://www.spiegel.de/politik/ausland/putin-verteidigt-hitler-stalin-pakt-a-1001613.html

Workshop für Parteijugend: Ukip-Politiker empfiehlt Hitler als Vorbild

Eine seltsamer Hitler-Workshop provoziert in Großbritannien wütende Reaktionen. Ein Parlamentarier der rechtspopulistischen Ukip lobt den Diktator als “womöglich kraftvollsten Redner der Geschichte” – und empfiehlt der Parteijugend, ihn zu imitieren.

Den vollständigen Artikel erreichen Sie im Internet unter der URL http://www.spiegel.de/politik/ausland/hitler-lob-von-ukip-politiker-erzuernt-grossbritannien-a-985339.html

100-Jahre-Gedenken: Serbien feiert sich zum Jahrestag des Ersten Weltkriegs

Es war der Beginn einer weltweiten Tragödie: Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. 100 Jahre danach feiern sich viele Serben als “Helden Europas”, Zeitungen veröffentlichen patriotische bis nationalistische Artikel.

Den vollständigen Artikel erreichen Sie im Internet unter der URL http://www.spiegel.de/politik/ausland/erster-weltkrieg-serbien-gedenkt-kriegserklaerung-oesterreich-ungarns-a-983229.html

 

Kommentar: Es gibt Völker und Personen, die wollen nie verstehen, was sie angerichtet haben.

Neue Hinweise bei Ermittlungen gegen Gregor Gysi

Nachrichten-Artikel vom 14.05.2014 11:01 Die Staatsanwaltschaft Hamburg verschiebt ihre Entscheidung im Fall Gysi wegen neuer Hinweise. Es geht um möglicherweise falsche eidesstattliche Versicherungen über seine Kooperation mit der Stasi.

Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/politik/deutschland/article127985922/Neue-Hinweise-bei-Ermittlungen-gegen-Gregor-Gysi.html

Deutschland verabschiedet sich langsam vom Westen

Nachrichten-Artikel vom 22.04.2014 20:47

Ob bei Snowden oder in der Ukraine-Krise – viele Äußerungen in Deutschland künden von der allmählichen Entwestlichung des Landes. Ob sie sich aufhalten lässt? Viele stört die Entwicklung gar nicht.

Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article127197927/Deutschland-verabschiedet-sich-langsam-vom-Westen.html

Aachener Beutekunst für immer russisch?

Di, 15. Apr. 2014
Aachener Nachrichten – Stadt / Kultur / Seite 11

Aachener Beutekunst für immer russisch?

Van den Brinks Plan zerschlagen: Nach dem Umbruch auf der Krim kehren die Bilder nicht ins Suermondt-Ludwig-Museum zurück

Von Eckhard Hoog

Aachen. Die Krim dürfte für die Ukraine verloren sein – und mit ihr wohl auch die Aussicht Aachens, jemals die knapp 80 Bilder aus dem Suermondt-Ludwig-Museum wiederzusehen, die 2008 im Kunstmuseum von Simferopol aufgetaucht waren. Seit 2007 ist die Aachener Beutekunst dort ausgestellt. 1953 war sie über verschiedene Stationen nach Simferopol gelangt – am Ende einer langen Odyssee von der Auslagerung in der Meißener Moritzburg während des Zweiten Weltkriegs über den Abtransport in die Sowjetunion bis hin zum Verbleib im Heimatmuseum von Jalta, das keinen geeigneten Raum dafür gefunden hatte. Ein bayrisches Touristenpaar, des Russischen mächtig, entdeckte die Aachener Bilder dann 2008 völlig überraschend in einer Ausstellung im Museum Simferopol – die Endstation für immer, wie es nun aussieht.

Drei Mal reiste Museumsdirektor Peter van den Brink als Mitglied einer deutschen diplomatischen Kommission in die Ukraine, um das Thema in Kiew mit dem dortigen Kulturministerium zu besprechen. Das vierte Mal sollte jetzt im Mai stattfinden. Doch: „Das Auswärtige Amt hat die Reise abgesagt“, sagt van den Brink mit Bedauern und Verständnis zugleich. „Schließlich gehören die Bilder ja nicht mehr der Ukraine“ – sondern wie die gesamte Krim zu Russland.

Dabei hätte gerade jetzt die Chance bestanden, den gordischen Knoten zu durchschlagen: Mit einem außergewöhnlichen Vorschlag wollte van den Brink eine endgültige Lösung für die Aachener Kollektion ebenso finden wie für eine dauerhaft vertrauensvolle Kommunikation mit dem Museum auf der Krim, womöglich mit der Perspektive eines gelegentlichen Austauschs von Kunstwerken. Um die Rückgabe von fünf, nur fünf, der 76 Bilder wollte van den Brink bitten – allerdings solche, die für Aachen eine ganz besondere Bedeutung haben: vor allem Johann Gottfried Pulians Gemälde „Das Aachener Münster“ von 1854/55. Im Gegenzug sollte das Kunstmuseum Simferopol alle anderen Beutebilder aus Aachen geschenkt bekommen.

Daraus wird nun nichts: Jetzt gehören sie sowieso alle Russland, denn die Duma, das russische Parlament, hatte 1998 in einem Gesetz pauschal die von sowjetischen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg mitgenommenen Kunst- und Kulturgüter zu Staatseigentum erklärt. Deutschland hält dieses Gesetz für völkerrechtswidrig – was aber an den Tatsachen nichts ändert.

Die ganze Entwicklung auf der Krim, so der begründete Verdacht Peter van den Brinks, dürfte der Museumsdirektorin in Simferopol, Larina Vladimirovna Kudryashova, sehr entgegenkommen: „Sie ist ja selbst Russin und stammt auch noch aus einer edlen russischen Familie.“ Larina ist ein direkter Abkömmling des Fürsten Juri Dolgorukij, dem Gründer von Moskau. Der Aachener Museumsdirektor hat indes selbst Verständnis für die russische Seite, was die Krim angeht: „Die war immer russisch, vor der Zeit der Perestroika noch sehr viel mehr und stärker als heute.“

So verfahren die Lage um die Aachener Bilder auf der Krim auch sein mag: Peter van den Brink erkennt dennoch Perspektiven für Verhandlungen über andere Beutekunst aus Deutschland, die sich nach wie vor in der Ukraine befindet. „Gerade jetzt!“, sagt er mit Blick auf die versprochene Finanzhilfe der EU in Höhe von elf Milliarden Euro. „Man sollte die Hilfe an die Bedingung knüpfen, die Depots in Kiew und Odessa zu öffnen. Dabei ginge es nicht um die Rückgabe von Kunstgegenständen, sondern darum, den Zugang zu ermöglichen. Die Zeit dazu ist reif.“ In Kiew und Odessa sollen große Bestände an Beutekunst aus Deutschland unter Verschluss gehalten werden. Van den Brink: „Klar, dass die Ukraine jetzt andere Sorgen hat. Aber das Thema sollte man trotzdem ansprechen.“

„Das Auswärtige Amt hat die Reise abgesagt.“

Museumsdirektor Peter van den Brink wollte im Mai eigentlich zum vierten Mal in die Ukraine reisen

Die Nacht, die 1525 Aachenern den Tod brachte

Fr, 11. Apr. 2014
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokales / Seite 20

Das Thema: Der Bombenangriff auf Aachen vor 70 Jahren

Die Nacht, die 1525 Aachenern den Tod brachte

Zeitzeugen erinnern sich an den 11. April 1944. Das Bombardement britischer Flieger im Bunker oder am Stadtrand überlebt. Bestialischer Gestank.

Von Georg Dünnwald

Aachen. Der Osterdienstag im Jahr 1944 war ein schöner Frühlingstag. Die Sonne lachte vom Himmel, die Vögel zwitscherten um die Wette, erste Blütenknospen waren zu sehen. Martin Ratajczak beschreibt den Tag nach dem Osterfest so. Am Nachmittag ging der inzwischen 86-Jährige, der seit mehr als fünf Jahrzehnten für die „Aachener Nachrichten“ als Fotograf unterwegs ist, mit ein paar Kameraden weg. „Wir wollten im Hochbunker Eupener Straße Karten spielen“, erzählt Ratajczak. „Wir haben einfach keinen Luftalarm erwartet, die amerikanischen Verbände, die tagsüber flogen, waren nicht zu sehen, und wir haben auch keine englischen Flugzeuge erwartet.“

Vier junge Männer, der jüngste war der 16-jährige Martin, vergaßen ganz und gar die Zeit über ihrem Kartenspiel. Die Jungen waren so in ihr Spiel vertieft, dass sie fast die heulenden Sirenen, die gegen 22.30 Uhr angeworfen wurden, überhörten. „Aber dann fielen auch schon die Bomben“ erinnert sich Ratajczak, „viel früher, als wir es eigentlich gewohnt waren“. Bombe um Bombe sei niedergeknallt. „Der dreigeschossige Bunker Eupener Straße war der letzte, der in Aachen gebaut wurde, seine 2,50 Meter hohe Decke war noch nicht einmal durch und durch trocken. Trotzdem hat sie die Zentnerbomben, die fielen, tragen können“, erinnert sich Ratajczak dankbar.

Fast anderthalb Stunden

Eine Stunde und 21 Minuten lang dauerte das Bombardement. Dann drehten die britischen Maschinen ab. Die rund 350 Flugzeuge, die über Aachen ihr todbringendes, ihr verstörendes Werk verrichtet hatten, flogen in ihre Horste zurück. Vor allem der Stadtteil Burtscheid war beinahe dem Erdboden gleichgemacht worden. In Aachen fielen 1525 Menschen dem Angriff zum Opfer, darunter waren auch viele Kinder. 969 Menschen wurden zum Teil sehr schwer, auch lebensgefährlich verletzt. Viele Häuser waren vollkommen zerstört, andere schwer beschädigt und unbewohnbar. Die Pfarrkirchen St. Johann Baptist in Burtscheid, die gleich daneben liegende Pfarrkirche St. Michael, die Pfarrkirche St. Follian am Dom und auch die Theresienkirche in der Pontstraße wiesen deutliche Schäden auf. Aber auch das ehemalige Polizeipräsidium in der Karmeliterstraße (am sogenannten Dreiräubereck) die Textilschule am Boxgraben, die heute die Fachhochschule für Gestaltung beherbergt , und mehrere umliegende Krankenhäuser wurden getroffen. Alleine in den „Städtischen Krankenanstalten“ an der Goethestraße verloren 91 Menschen – Patienten, Ärzte und Pflegepersonal – ihr Leben. Aus den „Städtischen“ entstand später das Uniklinikum der RWTH Aachen. Nach und nach verließen die Aachener, die Zuflucht in den Bunkern gesucht hatten, die Sicherheitsunterkünfte. Ihnen bot sich sein Bild des Schreckens. Die Briten hatten nicht nur „normale“ Bomben geworfen, sondern auch Phosphorbomben hinterhergeschickt. Eine besonders schlimme Waffe.

Bilder, die man nicht vergisst

„Phosphor brannte und konnte mit Wasser nicht gelöscht werden“, erklärt Ratajczak. „Das musste mit Sand erstickt werden.“ Er hat zahlreiche verbrannte Leichen gesehen, aber auch Menschen, die noch brannten. „Das ist ein Bild, das man nicht so leicht vergisst.“ Das Haus mit der elterlichen Wohnung in der Sebastian­straße stand auch nicht mehr. „Schrecklich war das, aber wir hatten schnell eine Notunterkunft gefunden.“ Einige seiner Schulkameraden jedoch hatten in der Bombennacht den Tod gefunden. „Die hatten zusammen mit dem Wirt in einer Gaststätte an der Ecke Sebastianstraße/Ecke Neustraße Unterschlupf gesucht. Alle wurden getroffen und kamen dabei um.“

Caroline Reinartz war wesentlich jünger als Martin Ratajczak in jener Bombennacht. Im darauffolgenden Mai feierte sie erst ihren achten Geburtstag, „Aber glauben Sie nicht, dass ich nichts mehr von dieser Nacht wüsste“, sagt die stadtbekannte Immobilienmaklerin. „Am 14. Juli 1943 sind wir ja in unserer Gaststätte ‚Zum Wehrhaften Schmied‘ ausgebombt worden,“ erzählt sie. Bis auf den Vater hielt sich zu der Zeit die Familie bei Verwandten in Büsbach auf. „Das schien sicherer.“ Ihr Vater aber und die Hauskatze blieben an der Jakobstraße in Aachen zurück. „Er hielt sich mitsamt Katze im Keller auf, beide haben diesen Bombenangriff im Tonnengewölbe des Kellers überlebt.“ Weil das Haus und die Gaststätte nicht mehr standen, pachtete Papa Reinartz eine Wirtschaft an der Krakaustraße. Und dort ereilte die Familie Reinartz die Bombennacht vom 11. April. „In den Bunker Südstraße weigerte sich me ine Mutter zu gehen, seit ich festgestellt hatte, dass an der Decke viele ‚Marienkäferchen‘ waren, sie die aber als Wanzen erkannt hatte.“ Die Reinartz‘ überlebten den Angriff im Keller des Hauses in der Krakaustraße. Auch Caroline Reinartz erinnert sich: „Die Engländer kamen ohne Vorwarnung und schmissen Bomben und auch die Phosphorbrandsätze.“ Ein wahrer Bombenteppich sei auf Aachen niedergegangen. „Und danach brannte durch die Phosphorbomben alles. Es stank bestialisch.“ Es sei so heiß im schützenden Keller gewesen, dass man den Eindruck gehabt habe, selbst das dort liegende Holz verschmelze miteinander. „Das war nicht schön“, kommentiert Caroline Reinartz trocken. Sie hat am nächsten Morgen viele Leichen von Kindern und Erwachsenen gesehen. „Das geht einem immer mal wieder durch den Kopf.“

Zu Fuß nach Büsbach

Wieder war die Familie ausgebombt. Diesmal machten sich die Reinartz‘ zu Fuß auf nach Büsbach zu den Verwandten. „In einem Dachstübchen fanden wir ein neues Zuhause.“ Aber nur für kurze Zeit, betont Caroline Reinartz. Denn es sei nie gut, wenn Verwandte sich zu sehr auf die Pelle rücken. Also wieder zurück nach Aachen, an der Ecke Jakobstraße übernahm die Familie eine weitere Gaststätte bis 1949. „Dann mussten wir raus, der bisherige Wirt war aus Gefangenschaft zurück und wollte wieder selbst Wirt sein.“ Die Reinartz‘ erwirkten einen Aufschub und begannen, den „Wehrhaften Schmied“ wieder peu á peu aufzubauen. „Ich hoffe, dass das keiner mehr auf der Welt zu erleben braucht. Die Leute sollen sich vertragen und keine Kriege anzetteln, die so viel Elend über die Welt bringen“, ist Caroline Reinartz‘ Überzeugung.

Heinrich Johann Kluck war gerade erst gerade sechs Jahre alt, als die Bombennacht vom 11. April 1944 ihn und seine Mutter überraschte. „Im Bunker Rütscher Straße haben wir das Desaster überlebt.“ Er erinnert sich an den Lärm, die Erschütterungen des Bunkers bei Bombenaufschlägen und auch an den Gestank durch Verbranntes. „Die Phosphorbomben haben ganze Arbeit geleistet“, kommentiert er sarkastisch. Immer noch hat er das Bild vor Augen, als aus den Trümmern ein unverletztes Kaninchen den Klucks entgegenhoppelte. „Das war einfach schön“, meint er. Aber noch heute habe er mit den Nachwirkungen des 11. April 1944 zu kämpfen. „Wenn ein Postflieger nachts über Aachen nach Lüttich fliegt, spüre ich ein klammes Gefühl im Magen. Das Gefühl geht nicht weg, egal wie alt ich geworden bin“, sagt der 76-Jährige.

„Kein Akt der Befreiung“

Ganz anders ist das bei Georg Helg. Der Ehrenpräsident des Aachener Karnevalsvereins (AKV), Ex-Modehändler und Fraktionsvorsitzende der FDP im Städteregionstag hat nach eigenen Worten keinerlei traumatische Erinnerungen, wenn er an seine Kriegskindheit zurückdenkt. „Ich bin allenfalls wütend, dass Bomber-Harris von der britischen Luftwaffe ebenfalls Kriegsverbrechen begangen hat, wie die deutschen Einsatzkräfte, dafür aber nie zur Verantwortung gezogen, sondern sogar hoch geehrt wurde“, sagt Helg ärgerlich. Die Zerstörung Rotterdams und Coventrys durch die deutsche Luftwaffe vergisst Helg aber auch nicht. „Die Deutschen haben angefangen mit den Massakern.“

„Aber der Luftangriff auf Aachen am 11. April 1944 war ein Terrorakt“, meint er. Und Helg – damals acht Jahre alt – war mittendrin. In der Villa eines Verwandten am Südrand der Stadt, in Ronheide, haben die Familien Essers und Helg überlebt. Sein Vater war kurz vor Beginn des Bombardements aus seinem niederländischen Stationierungsort zu Besuch gekommen. „In Holland war er beim Luftwarndienst eingesetzt.“ Helg muss schmunzeln: „Weil er aus Holland nicht ohne Sonderbefehl herausgekommen wäre, hatte er Vaalserquartier als Urlaubsort angegeben. Das klappte, weil kaum einer wusste, dass Vaalserquartier nicht mehr Holland, sondern Deutschland war.“

Die Helgs hätten in der ersten Etage der Villa gesessen, da habe plötzlich das Telefon geklingelt. Ein Freund habe ihm mitgeteilt: „Macht Euch auf und davon, die Engländer sind schon über Lüttich.“ Aber schon waren die Geschwader über Aachen und ließen ihre todbringende Fracht auf die Stadt fallen. „Der Horizont über Aachen war nach dem Angriff grellrot“, erinnert sich Helg. „Das waren die Phosphorbomben.“

Zunächst in die Niederlande

Vater Helg nahm seine Familie nach dem Angriff vom 11. April mit in die Niederlande, von dort wurden Georg Helg, seine Schwester und die Mutter ins Schwäbische evakuiert. „Wer jetzt behauptet, die Amis wären gekommen, um uns zu befreien, der irrt. Im Schwäbischen war ich als neunjähriger Junge beauftragt, ein Kommissbrot zu besorgen. Auf dem Rückweg zu dem Bauernhof, wo wir untergekommen waren, zielte ein amerikanischer Tiefflieger auf mich, verfehlte mich aber. Aber ich weinte. Der Schreck saß tief und das wertvolle Kommissbrot war nass.“

Georg Helg: „Der Angriff am 11. April auf Aachen war kein Akt der Befreiung. Die Amerikaner und die Briten wollten die bedingungslose Kapitulation der Deutschen und die Besetzung des Reiches. Beides haben sie Gott sei Dank geschafft. Die meisten Deutschen standen doch bis zuletzt hinter Hitler und seinen Schergen. Die Juden, die Widerständler und die politischen Gefangenen konnten sich zu Recht befreit fühlen.“

Waldfriedhof: OB Philipp legt einen Kranz nieder

Oberbürgermeister Marcel Philipp wird am heutigen Freitag, 11. April, um 16 Uhr am Gräberfeld der Bombenopfer auf dem Waldfriedhof unterhalb des Bismarckturms zum Gedenken an die Opfer des größten Bombenabwurfs im Zweiten Weltkrieg auf Aachen einen Kranz niederlegen. Zu diesem Gedenken sind alle Aachenerinnen und Aachener herzlich eingeladen.

Damit gedenkt er der 1525 Opfer und 969 Verletzten der Bombennacht vom 11. April 1944.

OB Philipp: „Ich weiß, dass an diesem Tag viele, die Eltern, Geschwister, Freunde oder Nachbarn verloren haben, die Gräber aufsuchen. Ich würde mich freuen, wenn wir als Stadt das Gedenken an diesen Tag gemeinsam wachhalten. Für mich gehört der 11. April 1944 zu den großen Katastrophen, die die Stadt im 20. Jahrhundert erlebte. Die Erinnerung an diesen Tag mahnt uns zum Frieden.“

„Die Leute sollen sich vertragen und keine Kriege anzetteln, die so viel Elend über die Welt bringen.“

Caroline Reinartz

Kommentar: Entweder man redet über Geschichte, dann bitte ohne die politische Einschränkung, bestimmte Verbrechen außen vor zu lassen, oder man macht sich mit schuldig, indem man Verbrechen nicht als solche benennt. Bomber Harries, von den Britten noch vor wenigen Jahren mit einem Denkmal geehrt, war ein Kriegsverbrecher und hat hunderttausende Zivilisten mit Vorsatz getötet, ohne das dies einen militärischen Nutzen gehabt hätte. Er wurde nicht in Nürnberg angeklagt, warum? So etwas nennt man Siegerjustiz und hat mit Recht nichts gemein!

Eine fatale Folge dieser Siegerjustiz war, dass der internationale Gerichtshof in Den Haag so spät erst entstanden ist. Kein Land auf der Welt wollte ein 2. Nürnberg.