Elsassviertel: Rädelsführer ist identifiziert

Do, 7. Nov. 2013
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokaltitel Aachen / Seite 15

Elsassviertel: Rädelsführer ist identifiziert

Schnelle Mobilisierung erfolgte während eines Fußballspiels. Polizei immer wieder vor Ort. Auch die Reiterstaffel wird eingesetzt.

Aachen. Das Entsetzen über die Eskalation im Elsassviertel ist noch nicht abgeklungen. Am Abend des 24. Oktobers war dort die Polizei komplett in die Defensive gedrängt worden. Zunächst wurde ein Polizist, der hinter einem per Haftbefehl gesuchten Mann her war, selbst von einer Gruppe von zehn bis 15 jungen Männern verfolgt. Der Gesuchte konnte entkommen, der Beamte sich in Sicherheit bringen. Als daraufhin Verstärkung in Form von 15 Ordnungshütern anrückte, stand diese plötzlich einer zum Teil aggressiven Menge von 50 bis 60 Personen gegenüber und zog sich ebenfalls wieder zurück. Fünf Tage später gab es eine fehlgeschlagene Kontrollaktion. Hat man aus der Rückschau Fehler gemacht? „Nachrichten“-Redakteur Heiner Hautermans sprach mit Polizeisprecher Paul Kemen.

War es ein Fehler, die Verfolgung des gesuchten Mannes allein aufzunehmen? Ist dieser inzwischen gefasst?

Kemen: Im Rahmen einer Streifenfahrt war der per Haftbefehl Gesuchte erkannt worden. Es ist polizeiliche Praxis, eine Festnahme dann durchzuführen, wenn keine Erkenntnisse vorliegen, die gegen eine unmittelbare Festnahme sprechen. So zum Beispiel, dass der Täter durchaus bewaffnet sein kann. Zu diesem Mann, der wegen des Inverkehrbringens von Falschgeld per Haftbefehl gesucht wurde, lagen keine entsprechenden Erkenntnisse vor. Einer Festnahme stand demnach nichts im Wege. Gefasst ist der Mann bislang nicht. Er scheint untergetaucht zu sein.

War es aus der Rückschau ein Fehler, auch die Verstärkung wenig später abziehen zu lassen? Weshalb ist man nicht mit mehr Beamten zurückgekehrt?

Kemen: Klares Nein. Das war kein Fehler. Es war die richtige polizeitaktische Entscheidung. Es gab zwischenzeitlich keine Erkenntnisse mehr, dass sich der Gesuchte oder die 60 Personen im Bereich des Ostviertels noch aufhalten. Wir hatten davor alle Umstände abgewogen und so verhindert, dass Unschuldige, unbeteiligte Passanten, in Mitleidenschaft gezogen werden. Wir werden umsichtig zum Ziel kommen und den Flüchtigen ergreifen und die Tatverdächtigen des Landfriedensbruchs identifizieren.

Ist inzwischen klar, wie sich eine Gruppe von 60 Personen in der Kürze der Zeit zusammenrotten konnte? Sind die Namen einiger aus der Gruppe der 15 oder 60 bekannt, und was ist inzwischen gegen sie unternommen worden?

Kemen: Ja, uns sind Namen von Mitgliedern der Gruppierung bekannt. Den 26-jährigen Rädelsführer haben wir zwischenzeitlich identifiziert. Gegen einen noch unbekannten Personenkreis laufen Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs. In mehreren Gaststätten in der Elsassstraße hatten wohl viele Menschen die Übertragung eines Europa-League-Spiels verfolgt. Die Mobilisierung dieser Leute ging offensichtlich sehr schnell. So kam diese hohe Personenzahl zustande, die den Polizisten gegenüberstand.

War die Kontrollaktion nach fünf Tagen nicht zu spät anberaumt?

Kemen: Fünf Tage später war ein Medientermin. Eine Kontrolle in Begleitung der Medien. Unmittelbar nach dem Vorfall, also auch noch am selben Abend und an den Folgetagen, hat es polizeiliche Maßnahmen in diesem Zusammenhang gegeben. Von daher ist es nicht richtig, dass wir fünf Tage haben verstreichen lassen. Auch jetzt wird „am Ostviertel“ gearbeitet… und niemand sieht es. Aber wir werden auch deutlich sichtbar, für jeden erkennbar, aufschlagen.

Würde es helfen, eine Wache am Elsassplatz einzurichten, wie manche Leser vorschlagen? Ist der Einsatz der Reiterstaffel angebracht?

Kemen: Wichtig ist die Präsenz vor Ort. Und die gewährleisten wir. Die Reiterstaffel setzen wir an gegebenen Örtlichkeiten im Stadtgebiet ja schon ein. Ich gehe davon aus, dass wir die Reiter auch im Ostviertel einsetzen werden.

Müssen die Aktionen, das Gewaltmonopol des Staates im Ostviertel zurückzugewinnen, nicht bislang als unglücklich und misslungen angesehen werden?

Kemen: Das Gewaltmonopol des Staates ist nicht in Frage gestellt. Von daher gibt es auch nichts in diesem Einzelfall zurückzugewinnen. Es war von vorneherein klar, dass die einsatztaktische Entscheidung, keine offensiven Maßnahmen durchzuführen, von außen als unglücklich betrachtet werden könnte. Dessen waren wir uns bewusst. Aber eines steht doch auch fest, dass das Ostviertel und kein Fleck von Aachen ein rechtsfreier Raum ist. Die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen. Wir nutzen alle rechtlich möglichen Mittel aus. Auch die Stadt Aachen werden wir bitten, ihren Beitrag zu leisten.

Schlägt die Polizei politische Konsequenzen aus der Eskalation vor?

Kemen: Der Polizei ist es bewusst und sie begrüßt es, dass die Aachener Politik einen Schwerpunkt auf das Ostviertel legt. Diesen Weg wird die Polizei mit ihren spezifischen Mitteln begleiten.

Kommentar: Ich frage mich, ob Herr Kemen den Blödsinn, den er da erzählt, selber glaubt? Wer im Elsassviertel zumindest über Stunden das Gewaltmonopol hatte, steht außer Zweifel, nämlich Kriminelle,und nicht die Aachener Polizei!

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