Netanjahu droht Iran mit Angriff

 

Sa, 29. Sep. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / AN Politik / Seite 4

Netanjahu droht Iran mit Angriff

UNO: Eigenwillige, aber wirkungsvolle Rede von Israels Ministerpräsident

Von Christoph Sator und
Jan-Uwe Ronneburger

New York/Tel Aviv. Benjamin Netanjahu machte bildlich klar, wie er sich eine rote Linie vorstellt – ein dicker Strich, knapp unterhalb der Zünders einer Bombe wie aus einem Kinder-Comic, gezogen mit einem dicken Filzstift. Mit diesem unfreiwillig komischen, aber sehr medienwirksamen Mittel gab Israels Premier in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung eine bitterernste Warnung ab: Wenn der Iran nicht nachgibt, muss er mit einem Angriff rechnen. Und das könnte schon im Frühjahr sein. So deutlich hatte sich Netanjahu zuvor noch nie festgelegt. Weder inhaltlich noch zeitlich.

In den Vereinten Nationen löste der spektakuläre Auftritt bei aller verständlichen Sorge auch einige Heiterkeit aus. Viele der Anwesenden zückten ihre Handys, um einen Schnappschuss von Bibi, wie sein Spitzname in der Heimat lautet, und seiner „Bombe“ zu machen. Manche Delegierte fühlten sich eher an amerikanische 50er-Jahre-Cartoons erinnert.

„Die rote Linie sollte genau hier gezogen werden“, sagte Netanjahu und zog den roten Strich auf seiner Bombenzeichnung dort, wo der Iran die zweite Phase der Urananreicherung auf eine mittlere Konzentration von etwa 20 Prozent abgeschlossen hat. Mit Worten setzte er die Linie aber früher: „Bevor der Iran die zweite Stufe der Urananreicherung (…) abgeschlossen hat“.

Also irgendwann vorher schon wäre die Stunde der Wahrheit gekommen, müssten sich die Mullahs in Teheran auf einen Angriff gefasst machen. Am besten von den USA, notfalls aber auch von Israel allein, so die verkappte Botschaft Netanjahus. Eine atomare Bewaffnung des Irans müsse unbedingt verhindert werden, donnerte er den anderen in New York versammelten Staats- und Regierungschefs entgegen. Für Israel gehe es ums Überleben.

Den vielen Zweiflern an einem Ultimatum entgegnete er unter Hinweis auf das Verhalten von US-Präsident John F. Kennedy in der Kuba-Krise: „Rote Linien führen nicht zum Krieg. Rote Linien halten vom Krieg ab.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.