Polizeiakten im Gerichts-Fokus

Do, 28. Nov. 2013
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokales / Seite 20

Polizeiakten im Gerichts-Fokus

Der seltsame Fall der vermeintlich aufmüpfigen Hotelbetreiberin Doris Schmitz-Kück schafft Unmut bei den Bürgern. Am Freitag, dem 13., ein Urteil?

Von Wolfgang Schumacher

Aachen. Im Fall der von zwei Polizistinnen im Juli 2012 vorübergehend und aus möglicherweise fadenscheinigen Gründen festgenommenen Hotelbetreiberin Doris Schmitz-Kück (Hotel am Bahnhof) ging es gestern vor dem Amtsgericht weiter. Der von vielen Zuschauern als „empörender Polizeiübergriff“ empfundene Vorfall schaffte einigen Unmut im Saal, so viel, dass Richterin Andrea Rösch während der Verhandlung auf den Tisch hauen musste und dem Publikum dringend anriet, ruhig zu sein: „Wir sind hier nicht in einem der Fernsehgerichte“, mahnte sie.

Die Hotelbesitzerin, die damals in der Bahnhofstraße Passanten vor einem ausgerasteten Betrunkenen schützen wollte, war aus heiterem Himmel in die Polizeimaschinerie geraten und soll jetzt einen Strafbefehl über knapp 5000 Euro zahlen. Sie saß gestern wieder nervös bereits eine Stunde vor Prozessbeginn auf dem Gerichtsflur. Der ganze Verlauf dieses in den Augen vieler „unglaublichen Verfahrens“ und die lange Verhandlungsdauer zerren deutlich an ihren Nerven. „Ich bin nervös“, sagte sie, „hoffentlich ist es heute zu Ende.“ Doch sie wurde erneut enttäuscht.

Denn trotz der zeugenschaftlichen Vernehmung eines Polizeibeamten, der Fachmann für das Textverarbeitungssystem der Behörde ist, war letztlich nicht herauszubekommen, ob an dem gegen Doris Schmitz-Kück geführten Ermittlungsvorgang eventuell manipuliert wurde. Verfahren gegen die Polizeibeamtinnen und gegen den Randale-Verursacher waren zwischenzeitlich bereits ohne Folgen eingestellt worden – nur gegen die mutige Hoteliersfrau nicht. Da im letzten Prozesstermin festgestellt wurde, dass elektronische Aktenteile anscheinend verschwunden sind, versuchte das Gericht zu klären, ob so etwas möglich sei.

Nur der Programmierer

Möglich sei das durchaus, ließ sich der Zeuge ein, Genaues könne jedoch nur der Programmierer erläutern. Weiter könne man ebenso nicht feststellen, wann ein Ursprungsdokument etwa bei der Fertigung eines Aktenvermerks angelegt wurde, schloss der Polizist. Jetzt wird am 13. Dezember weiterverhandelt, einem Freitag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.