Rechter Aktivist Denis U. gibt erneut nur „eine Rangelei“ zu

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Fr, 20. Jan. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokales / Seite 15

Rechter Aktivist Denis U. gibt erneut nur „eine Rangelei“ zu

Neonazi ging in Berufung. Prügelei in Adalbertstraße. Aufruf zu Aufmärschen.

Von Wolfgang Schumacher

Aachen. Zugegeben hat der als Mitglied der regionalen Neonazi-Szene bekannte Denis U. (25) aus Düren wieder „nur“ eine Rangelei. Das Aachener Schöffengericht war im Sommer 2011 hingegen fest davon überzeugt, dass er so richtig zugelangt hatte – und zwar an einem Samstagmittag Ende März 2010 in Aachens Innenstadt. Das Gericht verurteilte ihn damals wegen Körperverletzung zu einem Jahr und zwei Monaten Haft ohne Bewährung.

An jenem Tag vor fast zwei Jahren hatte eine Gruppe von etwa zehn Neonazis um das führende Mitglied der Kameradschaft Aachener Land (KAL), Rene L., in der Adalbertstraße Aufrufe zu den sogenannten „Trauermärschen“ in Stolberg verteilt. Diese Aufmärsche sollen an den gewaltsamen Tod eines Jugendlichen im Jahr 2008 erinnern. Am 27. März 2010 nun war die Gruppe auf Linke aus der Antifa-Bewegung gestoßen, die an einem Info-Stand Flugblätter gegen die Aufmärsche verteilten. Prompt kam es zu einer Auseinandersetzung beider Lager. Wer angefangen hatte, war auch gestern in der Berufungsverhandlung vor der 2. Kleinen Strafkammer am Aachener Landgericht (Vorsitz Richter Frank Meier) strittig.

Fest steht allerdings: Damals wurde ein linker Aktivist erheblich verletzt, nach Auffassung des Schöffengerichts nachweislich durch den heute wegen einer weiteren mutmaßlichen Gewalttat in U-Haft einsitzenden Denis U.. So begann gestern unter hohen polizeilichen Sicherheitsvorkehrungen die erneute Beweisaufnahme.

Ehemaliger Chemie-Student

Denis U., der vor seiner Festnahme an der Aachener Fachhochschule Chemie studierte, räumte auf die Fragen von Richter Meier ein, den heute 35-jährigen Dimitri R. getreten zu haben. Doch nicht absichtlich und brutal gegen den Kopf, wie es in der Anklage hieß. Auch habe er keinesfalls Reizgas ins Gesicht des Antifa-Mannes gesprüht. Der habe ihn provoziert, beleidigt und versucht zu treten.

Das sahen Zeugen und natürlich Dimitri R. anders. R. schilderte, wie er überfallartig von den Rechten – und hier insbesondere von Denis U. – angegriffen worden sei. U. sei im Nachhinein gut wiederzuerkennen gewesen, weil er ein weißes Kapuzenshirt trug. Er habe das Reizgas gesprüht, so R. in seiner Aussage. Ob er von dem Angeklagten getreten wurde, konnte er nicht sagen. Denn er lag nach dem Angriff in der Adalbertstraße in Höhe des Kaufhofs zusammengekauert und mit gebrochenem Handgelenk auf dem Boden. R. berichtete weiter, dass es wenige Minuten zuvor bereits einen ersten Angriff mit Pfefferspray gegeben habe, viele Passanten hätten danach tränende Augen gehabt.

Zeugen der rechten Seite wie Rene L. (30) beteuerten jedoch, sie hätten nichts gesehen, vor allem nicht, dass U. Reizgas gesprüht oder getreten habe. Im Gegenteil: Die Linken hätten selbst gesprüht und es habe unter ihnen einen Mann gegeben, der vorhatte, mit einem Skateboard zuzuschlagen. Allerdings hatte ein Zivilpolizist alles beobachtet und mit Hilfe eines Ladendetektivs den Angeklagten Denis U. sofort festgenommen.

Der Prozess wird am 26. Januar fortgesetzt.

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