Stadt kauft Hausentwürfe nachträglich ab

Fr, 25. Okt. 2013
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokaltitel Aachen / Seite 15

Stadt kauft Hausentwürfe nachträglich ab

Streit um Grundstücksvergabe am alten Tivoli soll endgültig ausgeräumt werden. Heute weiteres Treffen.

Von Gerald Eimer

Aachen. Im Streit um die Vergabe der Reihenhausgrundstücke am alten Tivoli strebt die Verwaltungsspitze nun eine Lösung an, die der Stadt zwar Mehrkosten bescheren wird, die aber alle Häuslebauer zufrieden stellen soll. Wie Oberbürgermeister Marcel Philipp auf Anfrage mitteilt, wird die Stadt den Architektenentwurf für die 13 Reihenhäuser abkaufen. Durch welche Architekten die Häuser letztlich errichtet werden, bleibt den einzelnen Käufern überlassen.

Aus Sicht des Oberbürgermeisters ist dies der einzig rechtlich saubere Weg, der den Fall „alter Tivoli“ auch „rückwirkend heilen“ kann. Details will die Verwaltung bei einem weiteren Krisentreffen am heutigen Freitag besprechen.

Letztlich geht es vor allem darum, den Vorwurf gegen den städtischen Fachbereich Immobilienmanagement auszuräumen, gegen das sogenannte Koppelungsverbot verstoßen zu haben. Demnach darf die Stadt grundsätzlich keine Grundstücke mit Architektenbindung verkaufen. Der E-Mail-Verkehr mit einzelnen Kaufinteressenten scheint jedoch genau einen solchen Verstoß zu belegen.

Die Verwaltungsabteilung wollte auf diese Weise offenbar dem Wunsch der damaligen schwarz-grünen Mehrheit entsprechen, wonach eine einheitliche Gestaltung im Baugebiet „alter Tivoli“ sichergestellt werden sollte. Das Architektenbüro, das im Herbst letzten Jahres den Siegerentwurf erarbeitet hat, sollte nun auch die Umsetzungsaufträge erhalten und auf diese Weise offenbar auch entlohnt werden.

Kaufinteressenten hatten dem Büro unter anderem vorgeworfen, die Honorarsatzung allzu sehr auszureizen, weshalb sich viele ein Haus dort gar nicht leisten können. Unter 400 000 Euro war nach letztem Stand kein Reihenhaus am alten Tivoli zu kriegen.

Ohne Architektenbindung könnte der Traum vom eigenen Haus nun für einige Menschen erschwinglicher werden. Offen ist allerdings, wie viel die Stadt für den Kauf der Architektenentwürfe nun nachträglich bezahlen muss. Das werde sich im Rahmen der Gebührenordnung bewegen, sagt Philipp, ohne bereits konkrete Zahlen nennen zu können. Vermutlich werde man auch die Architektenkammer zu Rate ziehen. Klar sei jedenfalls, dass es jetzt so läuft, „wie es von Anfang an hätte sein müssen“, sagt Philipp, „wir hätten die Architekten für ihre Leistung bezahlen müssen.“

Nachteilige Folgen für Käufer durch Fehlleistungen der Verwaltung sollen nachträglich ausgeräumt werden, sagt Philipp. „Unser Ziel ist es, am Ende alle zufriedenzustellen.“

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