Tod aus dem Tresor

Fr, 3. Jan. 2014
Aachener Nachrichten – Stadt / AN Politik / Seite 4

Tod aus dem Tresor

Illegale Waffen in palästinensischer Botschaft?

Prag. Nach dem mysteriösen Tod des palästinensischen Botschafters in Tschechien durch eine Explosion laufen die Ermittlungen in Prag auf Hochtouren. Ermittler und Sachverständige werteten die Spuren vom Tatort aus, sagte Polizeisprecherin Andrea Zoulova gestern. Auf dem Gelände der Botschafterresidenz entdeckte die Polizei zudem illegal gelagerte Maschinenpistolen. Die Zeitschrift „Respekt“ sprach unter Berufung auf Geheimdienst-Mitarbeiter sogar von einem ganzen Selbstverteidigungsarsenal für eine zehnköpfige Mannschaft.

Zu der Explosion kam es am Neujahrstag, als Botschafter Dschamal Al-Dschamal in seiner Residenz einen Tresor öffnete. Eine Obduktion ergab, dass der 56-Jährige an einem Schock nach Blutverlust starb. Er hatte schwere Kopf- und Bauchverletzungen erlitten. Ein Labor untersucht derzeit, welcher Sprengstoff den Diplomaten tötete.

Es gebe keine Anzeichen einer Verbindung zum Terrorismus, betonte der tschechische Interims-Ministerpräsident Jiri Rusnok: „Es ist zuallererst ein unglückliches und tragisches Ereignis.“ Der Familie des gestorbenen Diplomaten sprach Rusnok sein Beileid aus.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei könnte eine in Tschechien illegale Tresor-Sicherung nach „unsachgemäßem Umgang“ hochgegangen sein. Experten öffneten einen zweiten Tresor in der Residenz, fanden darin aber keinen Sprengstoff. Die Polizei arbeite intensiv mit palästinensischen Sicherheitsexperten zusammen, die in Prag eingetroffen seien, sagte die Sprecherin. Ermittelt wird derzeit wegen illegaler Bewaffnung und fahrlässiger Tötung.

Ein Botschaftssprecher bestritt unterdessen, dass der 25 bis 30 Jahre alte Panzerschrank mit Sprengstoff gegen Diebe gesichert gewesen sei. Er widersprach zudem Angaben des palästinensischen Außenministers Riad Malki, der Tresor habe über Jahrzehnte unbenutzt in einer Ecke gestanden. In den Safe sei regelmäßig Geld für den täglichen Zahlungsverkehr der Botschaft gelegt worden. (dpa)w

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