Als jüdische Besitztümer zu Schnäppchen wurden

 

Do, 13. Sep. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokales / Seite 21

Als jüdische Besitztümer zu Schnäppchen wurden

Die Volkshochschule zeigt gemeinsam mit Professor Wolfgang Dreßen unter dem Titel „Aktion 3“ seltene Dokumente vom Raub jüdischen Eigentums im Dritten Reich. Filmvorführungen und Vorträge begleiten die Ausstellung.

Von Martina Stöhr

Aachen. Ein SA-Mann in Uniform, der vor der zerbrochenen Scheibe eines jüdischen Geschäfts steht –so stellen die meisten sich laut Professor Wolfgang Dreßen Plünderungen zur Zeit des Nationalsozialismus vor. Seine Ausstellung „Aktion 3 – Deutsche verwerten ihre jüdischen Nachbarn“ zeichnet ein anderes Bild. „Es war Teil der Normalität, dass Deutsche das enteignete Mobiliar ihrer jüdischen Nachbarn aufkauften“, sagt Dreßen. „Die Ausstellung dokumentiert die massenhafte Beteiligung der deutschen, nicht-jüdischen Bevölkerung am ganz legalen Raub jüdischen Eigentums“, heißt es im Pressetext zu Ausstellung.

Unter dem Decknamen „Aktion 3“ habe es eine wahre Schnäppchenjagd nach jüdischen Besitztümern gegeben. Die Ausstellung liefert die entsprechenden Akten. Die stammen aus der Oberfinanzdirektion Köln und sind eigentlich noch immer gesperrt. Die Finanzämter sind laut Dreßen auch heute noch sehr zurückhaltend bei der Herausgabe solcher Dokumente. Sie zeigten, wie unter dem Mantel der vermeintlichen Rechtmäßigkeit jüdische Besitztümer beschlagnahmt, erfasst und schließlich neu verteilt wurden. „Es findet eine kollektive Verdrängung statt“, sagt Dreßen und hofft, mit seiner Ausstellung etwas in den Köpfen der Betrachter zu bewirken.

Und tatsächlich habe sich in den letzten Jahres einiges getan. Seit Beginn der Ausstellung 1998 seien bereits einige Bücher zu dem Thema erschienen. Außerdem entstanden zwei Filme: „Mariannes Heimkehr“ ist am Montag, 1. Oktober, um 19 Uhr in der VHS, Peterstraße 21-25, im Forum zu sehen. Der Eintritt kostet vier Euro. Der Film erzählt die Geschichte von Marianne Winter, die das Vernichtungslager der Nazis überlebt hat und um den Familienbesitz kämpft.

„Menschliches Versagen“ ist der Titel eines Dokumentarfilmes, der den Vorgang der Ausgrenzung, Entrechtung, Enteignung und schließlich Deportation der jüdischen Mitbürger zum Thema macht. Zu sehen ist er am Mittwoch, 24. Oktober, um 19 Uhr in der VHS, Peterstraße 21-25, Raum 214. Der Eintritt kostet ebenfalls vier Euro.

Die Ausstellung „Aktion 3 – Deutsche verwerten ihre jüdischen Nachbarn“ ist ab Donnerstag, 20. September, bis zum 31. Oktober im Forum der VHS zu sehen. Am 20. September hält Professor Wolfgang Dreßen um 20 Uhr einen Vortrag zum Thema. Dreßen war bis zu seiner Emeritierung 2008 Leiter der Arbeitsstelle Neonazismus an der Fachhochschule Düsseldorf.

„Es war Teil der Normalität, dass Deutsche das enteignete Mobiliar ihrer jüdischen Nachbarn aufkauften.“

Professor Wolfgang Dreßen, Ausstellungsleiter

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