Juden haben ein gutes süßes Jahr begonnen

 

Mi, 19. Sep. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokales / Seite 18

Juden haben ein gutes süßes Jahr begonnen

In der Zeitrechnung jetzt bei 5773. Brot und Wein.

Von Birgit Küchen

Aachen. Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Synagoge begrüßte die jüdische Gemeinde in Aachen ihr neues Jahr. Anders als im christlichen Kalender festgelegt, begehen die Juden ihr eigenes Neujahrsfest – „Rosch ha-Schana“ mit einer eigenen Jahreszählung, die ihren Anfang mit der Schöpfungstat Gottes nahm. Nach jüdischer Rechnung beginnt nun das Jahr 5773. In der Diaspora außerhalb Israels wird „Rosch ha-Schana“ als zweitägiges Fest gefeiert – und das fiel in diesem Jahr auf den 17. und 18. September.

Als Gäste waren zu diesem Anlass auch der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff und Abdurrahman Kol, Vorsitzender der türkisch-islamischen Moscheen-Gemeinde Yunus Emre, geladen. „Wir besuchen uns gerne gegenseitig bei solchen Feierlichkeiten und sehen es als ein wichtiges Fundament der Friedensbewegung an, denn die gemeinsamen Wurzeln und der Glaube an denselben Gott lassen sich nicht verleugnen“, betonte Kol.

„Rosch ha-Schana“ gilt als ein Tag des Gerichts und ein Tag der Erinnerung. Dann beginnen die zehn ehrfurchtsvollen Tage, die die Juden mit Gebeten, Buße und Wohltaten begehen. Denn nun wird das Schicksal jedes Juden geprüft bis zum 10. Tag, „Jom Kippur“ (Versöhnungsfest), an dem Gott mit den Menschen ins Gericht geht und eine Bilanz des abgelaufenen Jahres zieht.

In seiner Predigt mahnte Rabbiner Max Mordechai Bohrer, dass Menschen untereinander ihre Unschuld beteuern können, dass vor Gott aber nur die pure Gerechtigkeit und Wahrheit zähle und man als Mensch vor dem Höchsten Rechenschaft abzulegen habe.

„Meiner Meinung nach besteht die zentrale Aussage dieses Festes darin, dass es eine Aufforderung an den Menschen ist, sich mit seinem Mitmenschen zu versöhnen. Denn Sünden gegenüber Mitmenschen kann nur derjenige verzeihen, dem Unrecht geschehen ist. So soll man gerade in dieser Zeit Aussprache halten und Frieden stiften“, betont Gemeindemitglied Riwkah Or.

Gebet und Gesang

Nach dem Gottesdienst ging es zum gemeinsamen Mahl, bei dem neben Brot und Wein auch „Tapuach bi Dwasch“ – Äpfel mit Honig sowie weitere Süßspeisen –gereicht wurden. Entsprechend dem Neujahrsgruß „Schana tova“, was übersetzt „ein gutes süßes Jahr“ bedeutet, stehen die Nahrungsmittel symbolhaft für die Hoffnung auf ein volles, rundes und süßes Jahr. Während des Essens dürfen Gebet und Gesang – wie zum Beispiel „Awinu malkenu“, das übersetzt „Unser Vater, unser König, sei uns gnädig“ heißt – nicht fehlen.

Im Anschluss an die Gemeindeliturgie wurde zu Hause weitergefeiert. Am Tag danach traf man sich von 10 bis 13 Uhr sowie abends um 19 Uhr wieder zum gemeinsamen Gebet und Mahl in der Synagoge.

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