Syrischer Oppositionschef gibt überraschend auf

 

Mo, 25. Mär. 2013
Aachener Nachrichten – Stadt / AN Politik / Seite 4

Syrischer Oppositionschef gibt überraschend auf

Prediger Muas al-Chatib ist enttäuscht über Haltung der internationalen Staatengemeinschaft. Israel und Türkei beenden Eiszeit.

Istanbul/Damaskus. Nach nur viereinhalb Monaten hat Syriens Oppositionsführer Muas al-Chatib seinen Abschied vom Vorsitz der wichtigsten Plattform der Gegner des Regimes von Baschar al-Assad erklärt. In einer gestern im Internet veröffentlichten Erklärung äußerte sich der moderate islamische Prediger enttäuscht über die Haltung der internationalen Staatengemeinschaft zum Syrienkonflikt.

Al-Chatib betonte auf seiner Facebook-Seite, Zerstörung, Vertreibung, Massenverhaftungen und andere Tragödien reichten offensichtlich nicht aus für eine internationale Entscheidung, die den Syrern die Selbstverteidigung erlaube. Die Opposition fordert schon seit langem Waffen und finanzielle Unterstützung der Aufständischen. In dieser Frage sind die internationalen Staaten aber zutiefst zerstritten.

Zugleich hob Al-Chatib hervor, dass die Entscheidungen im Syrienkonflikt nur von Syrern gefällt würden, von niemandem sonst. „Ich habe geschworen, zurückzutreten, wenn bestimmte rote Linien erreicht sind. Heute erfülle ich dieses Versprechen.“ Der Oppositionelle fügte hinzu, er wolle künftig freier arbeiten, als es innerhalb offizieller Institutionen möglich sei.

Am Wochenende gab es erneut einen Zwischenfall an der syrisch-israelischen Grenze. Eine israelische Patrouille auf den Golanhöhen sei von Syrien aus beschossen worden, teilte die Armee mit. Die Soldaten hätten das Feuer auf einen syrischen Armeeposten erwidert. Es habe auf der israelischen Seite weder Opfer noch Sachschaden gegeben. Ganz in der Nähe seien bereits am Samstag von Syrien aus Schüsse auf israelische Soldaten abgegeben worden.

Derweil wollen Israel und die Türkei nach knapp drei Jahren Eiszeit ihre Beziehungen wieder normalisieren. Den Weg dafür bereitete eine Entschuldigung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu für den Tod von neun Türken bei der Erstürmung der Seefähre „Mavi Marmara“.

Netanjahu teilte am Samstagabend mit, die Krise in Syrien sei der Hauptgrund für die Versöhnung. „Syrien zerfällt, und seine riesigen und fortschrittlichen Waffenarsenale beginnen in die Hände verschiedener Elemente zu fallen.“ Diplomaten beider Länder wollten in Kürze über eine Entschädigung der Angehörigen sowie eine Rückkehr der Botschafter beider Länder beraten, hieß es gestern im israelischen Rundfunk.

Im Libanon führte der Syrienkonflikt unterdessen zum Bruch der Regierung. Präsident Michel Suleiman nahm am Wochenende den Rücktritt der pro-syrischen Regierung von Ministerpräsident Nadschib Mikati an. Das bisherige libanesische Kabinett hatte sich angesichts des immer brutaler werdenden Bürgerkriegs im Nachbarland zunehmend gespalten gezeigt.(dpa)

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