„Kameradschaft Aachener Land“ verboten

 

Fr, 24. Aug. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Titel Aachen / Seite 1

„Kameradschaft Aachener Land“ verboten

Schlag gegen die rechte Szene in NRW: Innenminister löst insgesamt drei gefährliche Gruppen auf. Razzia mit 1000 Polizeibeamten.

Aachen/Stolberg/Düsseldorf. Die „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) ist gestern gemeinsam mit zwei weiteren Neonazi-Gruppierungen aus Dortmund und Hamm verboten worden. Bei einer Großrazzia rückten am frühen Mittwochmorgen in 32 Städten etwa 1000 Polizeibeamte aus, um 146 Mitgliedern dieser drei rechtsextremistischen Vereine die Verbotsverfügung zuzustellen. Dabei wurden zahlreiche Waffen, das Vereinsvermögen sowie Propagandamaterial beschlagnahmt. So stellten die Beamten in Jülich unter anderem ein Hitler-Relief sicher.

Bei der Razzia stieß die Polizei auch auf „enge Verflechtungen“ zwischen den Neonazi-Gruppierungen und der rechtsextremistischen NPD. Zu Festnahmen kam es nach Angaben des Innenministeriums „vorerst nicht“.

„Menschen eingeschüchtert“

Die Verbotsverfügungen richten sich gegen die KAL, den „Nationalen Widerstand Dortmund“ und die „Kameradschaft Hamm“ sowie „etwaige Ersatzorganisationen“. Aus diesen drei Gruppierungen heraus seien „Straftaten geplant und verübt“ worden, heißt es in den drei 50 bis 70 Seiten starken Verfügungen. Mit „martialischem Auftreten und Gewalttaten“ der Neonazis seien Menschen in ihrem Umfeld „eingeschüchtert“ worden.

„Wir lassen nicht zu, dass diese geistigen Brandstifter sich hier mit ihren menschenverachtenden Parolen und ihrer faschistischen Propaganda breit machen“, begründete NRW-Innenminister Ralf Jäger sein Einschreiten.

Der SPD-Politiker sprach nach der Razzia von dem in der Geschichte Nordrhein-Westfalens bisher „härtesten Schlag“ gegen die Neonazi-Szene, der 400 bis 600 Aktivisten zugerechnet werden. Etwa ein Drittel dieser Rechtsextremisten sei von den Verbotsanträgen und Beschlagnahmungen betroffen. „Wir haben große Löcher in das rechtsextremistische Netzwerk geschlagen“, sagte Jäger vor Journalisten. „Es ist uns gelungen, wichtige Strukturen zu zerschlagen.“

Im Dortmunder Vereinsheim des „Nationalen Widerstandes“ wurden 1000 NPD-Plakate für die am Sonntag stattfindenden Rathauswahlen aufgefunden. Dies sei ein Beleg dafür, wie eng die NPD mit der Neonazi-Szene kooperiere, erklärte Jäger. Für die derzeit bei einer Bund-Länderkommission angesiedelten Prüfungen für die Einleitung eines NDP-Verbotsverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht seien diese Razzia-Funde „wichtige Erkenntnisse“.

Auf einer Pressekonferenz in Stolberg sprach Aachens Polizeichef Klaus Oelze von einem „guten Tag für die Region“. Der Schlag gegen die rechte Szene sei über Wochen hinweg akribisch vorbereitet und erfreulicherweise auch geheimgehalten worden. Gleichzeitig warnte er: „Wir haben ein Signal gesetzt, aber wir gehen davon aus, dass unsere Arbeit noch nicht erledigt ist.“

Klaus Oelze kündigte an, konsequent auch gegen eventuelle Nachfolgeorganisationen vorgehen zu wollen, die ebenfalls von dem Verbot erfasst seien.

Die KAL reagierte gestern über das Internet mit einem höhnischen und offen drohenden Kommentar unter der Überschrift „Wir sind verboten – na und?“ auf die Razzia. Zwar sei die Szene geschwächt, doch blieben die Mitglieder in der Region weiterhin aktiv, hieß es auf der im Ausland betriebenen und für die Polizei daher bislang nicht greifbaren Internetseite. (jn/sim/mar)

▶ Kommentar Seite 2, Bericht Seite 5

Freispruch für Neonazi wegen miserabler Beweislage

 

Mi, 20. Jun. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Euregio / Seite 5

Freispruch für Neonazi wegen miserabler Beweislage

Richter hält Aussagen von NRW-Verfassungsschützern für „falsche Wahrnehmung“. Opfer verschwunden.

Aachen. Das Aachener Schöffengericht (Vorsitz Richter Hermann-Josef Gehlen) hat gestern den als Aktivisten der rechtsradikalen Kameradschaft Aachener Land (KAL) bekannten Denis U. (25) vom Vorwurf der zweifachen Körperverletzung freigesprochen. Die Beweise, sagte der Richter in der Urteilsbegründung, hätten in diesem Verfahren nicht ausgereicht, dem in der Szene als gewaltbereit bekannten Neonazi die ihm vorgeworfenen Taten auch nachzuweisen.

„Das heißt nicht, dass die Unschuld des Angeklagten als erwiesen zu gelten hat“, relativierte der Richter den Freispruch. Es sei bei den Taten vom 26. Juni 2011 und beim Zusammentreffen der KAL mit Ratsvertretern der NPD in einem Stolberger Lokal lediglich nicht erwiesen, dass der zurzeit wegen anderer Taten einsitzende Neonazi entweder nur anwesend war, oder im Fall der Kneipenschlägerei in Stolberg gegen den Stolberger NPD-Ratsherrn Willibert Kunkel tatsächlich gewalttätig geworden sei. In Bezug auf den letztgenannten Vorfall hatten neutrale Zeugen berichtet, U. sei nicht gegen Kunkel gewalttätig geworden, sondern sein Nebenmann.

Dem aus Düren stammenden U. war in der Hauptsache vorgeworfen worden, bei einer Verfolgung eines ihm als politisch Linken bekannten am 26. Juni vergangenen Jahres in der Aachener Innenstadt maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. Eine Gruppe von etwa elf der KAL zugeordneten Leuten war mittags auf den linken Aktivisten gestoßen. Die Meute begann, das auf einem Skateboard fahrende Opfer zu verfolgen. Das strauchelte und flüchtete sich schließlich in einen parkenden Pkw, dessen Fahrer gerade eingestiegen war.

Die Rechten, so ergaben die Zeugenaussagen, schlugen auf das Auto und durch ein offenes Fenster auf das Opfer ein und ließen Reizgas durch die Lüftungsschlitze in das Fahrzeug strömen. An vorderster Front soll dabei der Angeklagte gewesen sein. Doch die Angaben zu Denis U.s Mittäterschaft stützen sich im Wesentlichen auf einen Bericht des NRW-Verfassungsschutzes, der die Szenerie beobachtete und zwei Personen, darunter Denis U., erkannte.

„Der Verfassungsschutz hat wesentliche Abläufe falsch wahrgenommen“, wertete der Richter die Erkenntnisse der NRW-Schlapphüte. Weil auch das Opfer verschwunden und nicht aussagebereit sei, müsse U. freigesprochen werden. (wos)

„Wie ein Tier gehetzt“ Staatsanwalt fordert 15 Monate Haft für Rechten

 

Sa, 9. Jun. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Euregio / Seite 5

„Wie ein Tier gehetzt“

Staatsanwalt fordert 15 Monate Haft für Rechten

Aachen. Ein Jahr und drei Monate Haft ohne Bewährung ist die Forderung der Staatsanwaltschaft im Amtsgerichts-Prozess gegen „Kameradschaft Aachener Land“-Mitglied Denis U. Die Verteidigung dagegen fordert Freispruch für den rechtsradikalen Angeklagten. Dem 26-jährigen Dürener wird zur Last gelegt, im Juni 2011 mit anderen Gleichgesinnten in der Aachener Innenstadt einen Skater gejagt und verletzt zu haben, den er dem linken Lager zuordnete. Vier Monate später soll der Chemiestudent in einer Stolberger Gaststätte dem NPD-Ratsherrn Willibert Kunkel im Streit absichtlich den Ellenbogen ins Gesicht gestoßen haben.

Staatsanwalt Lutz Dirksen sprach in Zusammenhang mit dem ersten Tatvorwurf von einer Menschenjagd, bei der das Opfer „durch einen braunen Mob wie ein Tier durch die Straßen gehetzt“ worden sei. Vor Gericht war er jedoch nicht als Zeuge aufgetreten.

Der Angeklagte hatte hingegen erklärt, zwar vor Ort, jedoch nicht an den Taten beteiligt gewesen zu sein. Er habe die anderen sogar abhalten wollen. Dirksen hielt das für eine Schutzbehauptung. Denis U. sei einschlägig vorbestraft und als hochaggressiv bekannt.

Verteidigerin Gabriele Prümm warf Dirksen vor, eine allzu simple Rechnung aufzustellen, die da sinngemäß laute: „Einmal Unruhestifter, immer Unruhestifter.“ Das Schöffengericht will am 14. Juni ein Urteil verkünden. (jab)

Polizeipräsident Oelze suspendiert Pro-NRW-Politiker vom Dienst

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Fr, 18. Mai. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokales / Seite 17

Polizeipräsident Oelze suspendiert Pro-NRW-Politiker vom Dienst

Mit Wirkung vom 15. Mai. Verdacht auf Verstoß gegen Beamtenstatusgesetz.

Von Georg Dünnwald

Aachen. Polizeipräsident Klaus Oelze hat den Polizeihauptkommissar Wolfgang Palm mit Wirkung vom 15. Mai von seiner Aufgabe suspendiert. Palm ist Kreisvorsitzer der vom Verfassungsschutz als verfassungsfeindlich und rechtsextrem eingestuften Partei Pro NRW.

„Der Polizeibeamte steht im Verdacht, in seiner Eigenschaft und im Auftreten als Kreis- und stellvertretender Landesvorsitzender der Partei Pro NRW gegen das Beamtenstatusgesetz verstoßen zu haben. Aachens Polizei steht für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Ausländerfreundlichkeit. Diese über allem stehenden freiheitlichen Grundsätze sind mit der Position, dem Auftreten und den parteilichen Funktionen dieses Polizeibeamten nicht vereinbar“, betont Oelze auf Anfrage der „Nachrichten“.

Nach Auskunft von Sprecher Paul Kemen war der Auftritt Palms auf der Demonstration gegen den Neubau der Ditib-Moschee an der Stolberger Straße am Samstag, 5. Mai, mit ein Auslöser für die Suspendierung, die zunächst für frei Monate gilt. Dort ließ Palm Sätze wie „wir wollen kein Nordrhein-Westfalistan“ oder „wer Islam sät, wird Scharia ernten“, fallen. Die im Bau befindliche Yunus-Emre-Moschee bezeichnete der Polizist als einen „Protzbau mit hohem Minarett“.

Palm hält seine Suspendierung für eine völlig überzogene Maßnahme. „Da wird eine gerichtliche Klärung anstehen“, kündigte er gegenüber den „Nachrichten“ an. Zurzeit liegt noch eine „gerichtliche Klärung“ vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster an. Palm hat dort Berufung gegen die am 15. März von der 1. Kammer des Aachener Verwaltungsgerichts getroffene Entscheidung eingelegt, wonach er es sich gefallen lassen müsse, einer besonders engen Dienstaufsicht durch den Polizeipräsidenten unterworfen zu sein.

Nachdem Wolfgang Palm im März vergangenen Jahres auf der Homepage von Pro NRW als Kreisvorsitzender und Polizeihauptkommissar erschienen war, hatte Oelze angeordnet, den Beamten in den Innendienst zu versetzen. Zudem wurde Palm einer besonders engen Dienstaufsicht unterworfen.

„Aachens Polizei steht für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Ausländerfreundlichkeit.“

Klaus Oelze,

Polizeipräsident

Handwerkliche Patzer, Schlamperei, keine Absprachen

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Mi, 16. Mai. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / AN Politik / Seite 4

Handwerkliche Patzer, Schlamperei, keine Absprachen

Ein Gutachten deckt auf, wie in Thüringen die Behörden bei der Suche nach dem Neonazi-Trio von Jena versagt haben

Erfurt. Fehler und Nachlässigkeiten Thüringer Behörden haben nach Ansicht der unabhängigen Kommission zum Neonazi-Trio das Untertauchen der Gruppe begünstigt. Das dreiköpfige Gremium kritisierte bei der Vorstellung seines Abschlussberichts am Dienstag vor allem den Verfassungsschutz, monierte aber auch handwerkliche Fehler und Zurückhaltung bei den eigentlich zuständigen Behörden Staatsanwaltschaft und Polizei. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) kündigte Konsequenzen an. Die Kommission unter Vorsitz des ehemaligen Bundesrichters Gerhard Schäfer hatte seit Mitte November rund 20 000 Seiten Akten gesichtet und Dutzende Zeugen zur sogenannten Zwickauer Zelle gehört.

Thüringens Innenminister Jörg Geibert (CDU) sprach von „handwerklichen und strukturellen Defiziten“ sowie von fehlenden Abstimmungen. Polizei, Verfassungsschutz und Justiz hätten nicht so professionell gearbeitet, wie es zu erwarten gewesen sei. Der Bericht entkräfte aber Spekulationen, dass die aus Jena stammenden Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe staatlich gedeckt worden seien. Kommissionsvorsitzender Schäfer sagte, er habe auch in den geheimsten Unterlagen des Verfassungsschutzes keinen Hinweis gefunden, dass einer der drei als Informant abgeschöpft worden sei.

Das Trio war 1998 untergetaucht und hatte zuletzt in Zwickau gelebt. Als „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) sollen Böhnhardt, Mundlos und womöglich auch Zschäpe in den Jahren danach neun Männer türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin ermordet haben. Am 4. November 2011 verübten Böhnhardt und Mundlos in Eisenach einen Banküberfall. Kurz vor ihrer Festnahme erschoss Mundlos seinen Komplizen und tötete sich dann selbst.

Die Experten stellten dem Thüringer Verfassungsschutz ein miserables Zeugnis aus. Zwar habe der gute Kenntnisse über das Trio gehabt, diese aber nicht einmal systematisch zusammengestellt. Als „schlimme Sache“ bezeichnete Schäfer die Aufforderung der Verfassungsschützer an die Eltern eines der Neonazis, der Behörde wichtige Hinweise nur über Telefonzellen zu geben. Damit hätten sie die Arbeit der gleichzeitig abhörenden Polizei unterlaufen. Der Verfassungsschutz habe sein Wissen nicht an andere Behörden weitergegeben. Die Informationen über Waffen- und Geldbeschaffung seien massive Anhaltspunkte für die Bildung einer terroristischen Vereinigung gewesen. Geibert sprach von „fast chaotischen Zuständen“ in der Behörde.(dpa)

Kameradschaft verboten

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Fr, 11. Mai. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Euregio / Seite 5

Kameradschaft verboten

Innenminister schließt rechte Kölner Gruppierung

Köln. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat die rechtsextreme „Kameradschaft Walter Spangenberg“ aus Köln verboten. Am frühen Morgen wurden Wohnungen im Raum Köln/Bonn und im Ruhrgebiet und Gefängniszellen in rheinland-pfälzischen Justizvollzugsanstalten durchsucht. Strukturelle Verbindungen zur „Kameradschaft Aachener Land“ bestehen nach Informationen unserer Zeitung nicht.

Der Zeitpunkt des Verbots steht im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Kameradschafts-Anführer Axel Reitz, der gestern nach zwei Monaten aus einer Untersuchungshaft entlassen wurde. Er soll gemeinsam mit zwei anderen führenden Mitgliedern der „Kameradschaft“ mit der ebenfalls kriminellen Vereinigung „Aktionsbüro Mittelrhein“ zusammengearbeitet und Gewalttaten begangen haben.

Reitz gehört dem Kreis der Rechtsextremen an, die Jahr für Jahr Neonazi-Demonstrationen in der Region anmelden und organisieren. Die „Kameradschaft Walter Spangenberg“, benannt nach einem Kölner Mitglied der SA, ist erst in jüngster Zeit aus der „Freien Kameradschaft Köln“ (FKK) und deren Nachfolge-Gruppierung „Freies Netz Köln“ entstanden. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes hatte die Kameradschaft 14 Mitglieder. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte gestern gegenüber unserer Zeitung, Verbote weiterer rechtsextremer Gruppierungen würden folgen.(mik/gego)

Pro NRW darf weiter Muslime provozieren

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Ob es politisch gefällt oder nicht, auch Pro NRW darf vom Recht der Meinungsfreiheit gebrauch machen. Und diese tun dies gewaltfrei, die Salafisten nicht.

 

Di, 8. Mai. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Titel Aachen / Seite 1

Pro NRW darf weiter Muslime provozieren

Gerichte erlauben Rechtsextremisten das Zeigen von Mohammed-Karikaturen. Haftbefehl gegen gewalttätigen Salafisten.

Bielefeld/Bonn. Ungeachtet der Ausschreitungen in Bonn darf die rechtsextremistische Partei Pro NRW nach Gerichtsurteilen weiter islamkritische Karikaturen zeigen. Die Verwaltungsgerichte in Minden und Arnsberg erlaubten dies der Splitterpartei am Montag. Am Wochenende war es in Bonn bei einer Wahlkampfaktion von Pro NRW zu schweren Ausschreitungen zwischen radikalen Salafisten und der Polizei gekommen. 29 Polizisten wurden verletzt, zwei durch Messerstiche schwer.

Gegen einen 25-jährigen Islamisten wurde Haftbefehl wegen dreifachen versuchten Polizistenmordes erlassen. Der Mann aus Hessen sei bereits wegen mehrfacher gefährlicher Körperverletzung polizeibekannt, sagte ein Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft. Er habe den Angriff auf die Beamten gestanden, bestreite aber eine Tötungsabsicht. Als Motiv habe er die Mohammed-Karikaturen genannt, die von Pro NRW gezeigt wurden. Die Polizisten hätten das ermöglicht.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland verurteilte die Gewalt islamistischer Demonstranten. „Wir distanzieren uns ausdrücklich von gewaltbereiten Muslimen, die zur Selbstjustiz anstacheln und die Polizei angreifen“, sagte Generalsekretärin Nurhan Soykan. Anhänger von Pro NRW zeigen seit gut einer Woche in der Nähe von Moscheen Mohammed-Karikaturen. Heute sind Aktionen in Düren und Köln geplant.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) kündigte indes Konsequenzen an. „Wir werden diese Angriffe auf den Rechtsstaat und unsere Polizisten nicht dulden und den Druck sowohl gegen Pro NRW als auch gegen die Salafisten maximal erhöhen“, sagte sie. Die Landesregierung werde tun, was rechtlich möglich sei. „Dazu gehören Platzverbote für Salafisten, die als gewalttätig aufgefallen sind, ebenso wie die Auflage an Pro NRW, islamkritische Karikaturen nicht mehr zu zeigen.“ Die Beschlüsse in Minden und Arnsberg standen dem aber entgegen.(dpa)

Polizei: Bisher ist keine Gegendemonstration angemeldet

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Fr, 4. Mai. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokaltitel Aachen / Seite 15

Polizei: Bisher ist keine Gegendemonstration angemeldet

Verständnis für den Wunsch, rechtsextremistische Kundgebungen zu verhindern. „Verbot aus rechtlichen Gründen nicht möglich.“

Von Heiner Hautermans

Aachen. Die Aachener Polizei erwartet von der Kundgebung der extremistischen Partei Pro NRW am Samstag im Ostviertel nicht derartige Auswirkungen wie bei einer ähnlichen Kundgebung von Neonazis im Oktober 2010. An Gegendemonstrationen nahmen seinerzeit rund 1000 Menschen teil, sicher die gleiche Zahl von Polizisten war im Einsatz, um die beiden Gruppen zu trennen. Die Rechtspopulisten würden eine Kundgebung „in Sicht- und Hörweite“ des im Bau befindlichen Gotteshauses abhalten, teilte Sprecher Karl J. Völker auf Anfrage mit.

Gegendemonstrationen seien bislang nicht angemeldet worden. Insgesamt 60 Organisationen und Einzelpersonen rufen, wie berichtet, dazu auf, der „Hetze von Pro NRW entgegenzutreten“ und ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Die Ditib-Gemeinde als Bauherr der Junus-Emre-Mosche lädt am Samstag ab 10 Uhr zu einem Tag der offenen Tür und zum Dialog ein.

Die Aachener Polizei zeigte gestern Verständnis für den Wunsch, Aufzüge und Kundgebungen aus dem rechtsextremistischen Spek-trum zu verbieten. Völker: „Wir müssen jedoch deutlich darauf hinweisen, dass wir an Recht und Gesetz gebunden sind und ein Verbot der angemeldeten Kundgebung aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist. In unserer Demokratie hat jeder das Recht, sich friedlich und ohne Waffen zu versammeln.“

Die Ausübung dieses Grundrechts, so Völker weiter, unterliege keiner staatlichen Genehmigung und sei nicht an politische Überzeugungen oder bestimmte Weltanschauungen gebunden. „Als Polizei Aachen sind wir zur politischen Neutralität verpflichtet.“ Ein Verbot komme nur dann in Betracht, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür vorlägen, dass „die öffentliche Sicherheit oder Ordnung unmittelbar gefährdet ist“.

Protest gegen rechte Propaganda: Salafisten greifen Polizisten an

FOCUS Online, 01.05.2012, 16:10

Protest gegen rechte Propaganda: Salafisten greifen Polizisten an

Bei einer islamfeindlichen Aktion hat die rechtsextreme Splitterpartei Pro NRW mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen provoziert. Salafisten demonstrierten dagegen. Dann eskalierte die Situation.

Den vollständigen Artikel erreichen Sie unter der URL http://www.focus.de/politik/deutschland/protest-gegen-rechte-propaganda-salafisten-greifen-polizisten-an_aid_745680.html

Führender Neonazi steht am 9. Mai wieder vor Gericht

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Do, 26. Apr. 2012
Aachener Nachrichten – Stadt / Lokaltitel Aachen / Seite 17

Führender Neonazi steht am 9. Mai wieder vor Gericht

Denis U. gilt als Denker der Kameradschaft Aachener Land. Seit November in Untersuchungshaft. Eine hohe Strafe droht.

Von Heiner Hautermans

Aachen. Einer der führenden Köpfe der neonazistischen Kameradschaft Aachener Land wird ab dem 9. Mai wieder vor Gericht stehen. Denis U. war im November während eines laufenden Berufungsverfahrens in Untersuchungshaft genommen worden, als er identifiziert worden war, am Übergriff auf einen angeblichen politischen Gegner auf der Theaterstraße beteiligt gewesen zu sein. In dem Berufungsverfahren war der 25-Jährige zu acht Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden, weil er zusammen mit einem anderem KAL-Mitglied ein ähnlichen Übergriff 2010 begangen haben soll.

Denis U. gilt als der Denker der Kameradschaft Aachener Land, nach Ansicht von Beobachtern kümmert er sich vor allem darum, junge Neonazis anzuwerben. Seit seiner Festnahme ist es ruhiger um die 2001 gegründete rechtsextremistische Gruppe geworden.

Der Prozess gegen den 25-Jährigen und einen jüngeren Mittäter ist nach Auskunft eines Gerichtssprechers auf drei Tage vor dem Jugendschöffengericht angesetzt. Bei einer Verurteilung droht ihm eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Vorgeworfen wird ihm, am 26. Juni 2011 mit einer Gruppe von 20 anderen Neonazis durch die Innenstadt gezogen zu sein und auf der Theaterstraße einen Mann angegriffen zu haben, den sie als politischen Gegner einstuften und der auf einem Skateboard unterwegs war. Dieser flüchtete in ein Auto, woraufhin der Fahrer und der 34-Jährige mit Pfefferspray und einem Faustschlag traktiert worden sein sollen. Sie konnten sich aus der Umzingelung nur lösen, weil der Fahrer losfuhr und Neonazis zur Seite traten. Die Polizei hatte zunächst eine größere Zahl der Rechtsextremen in Gewahrsam genommen, suchte später aber dringend nach Zeugen des „feigen Übergriffs“, so eine Sprecherin. Ursprünglich war auch wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch und gemeinschaftlich begangene Nötigung ermittelt worden.